Filz, Filzn, Fuizn

von Redaktion

Kurz vor der Ausfahrt Bad Aibling/Bad Feilnbach in Richtung Salzburg erstaunt den des Bairischen mächtigen Autofahrer ein Schild mit der Ortsangabe „Eulenauer Filz“. „Ja, hamm dee koa Gejd nimmer ghabt fürs e oder n? Dees hoaßd doo houchdeidsch ‚Filze‘ oder ‚Filzn‘ und boarisch ‚Fuizn‘ oder ‚Fejzn‘ oder ‚Filzn‘, aber doo ned ‚Filz‘ oder ‚Fuiz‘!“

Eine Filze, Filzn, Fuizn ist ein Hoch- oder Regenmoor, und genau darum handelt es sich bei der – jetzt richtig geschrieben – Eulenauer Filze oder Filzn. Hier geht es also nicht um das Wort „der Filz“, das eine Textilart bezeichnet, genauer gesagt, einen wilden Faserstoff, der aus ungesponnenen, zusammengepressten (Tier-)Haaren oder aus Wolle hergestellt wird, sondern um ein Moor. Ein anderes Beispiel befindet sich nördlich von Derndorf:

Dort gibt es die „Sterntaler Filze“, gemeinhin als
„b Filzn“, auch: „b Fuizn“ bekannt. Der Laut n stand beim Wort „Filze“ regulär im zweiten, dritten und vierten Fall. Dies belegen Ortsnamen wie Filzen bei Marienberg oder Überfilzen, das im 12. Jahrhundert noch „Ubervilchin“, später „Obernviltzen“, also „oberhalb der Filzen“ – hier im zweiten oder dritten Fall Einzahl stehend – hieß. Das n ist später von eben dort in den 1. Fall (Nominativ) eingedrungen und hat diesem das e der Endung weggenommen: Aus „die Filze“ wurde „die Filzn“. Die Schreibung „Filzen“ für ein Hochmoor ist daher eher irreführend. Also: Raus mit dem e, das eh nicht gesprochen wird!

Aber was lesen wir auf der Website „Made in Minga“?: „Aber auch ohne diese Tafel sind die Sterntaler Filzen nicht zu verfehlen“. Und auf der Website „Bayerische Staatsforsten“: „Die Sterntaler Filzen gehören zum Derndorfer Moos nahe Rosenheim“. Hat da jemand die Sterntaler Filze gleich doppelt gesehen? Waren vielleicht die Moorgeister aktiv?

Bei Filz und Filze ist auszugehen vom Wort „der vilz“ aus mittelhochdeutscher Zeit (1050 bis 1350), das dem althochdeutschen (750 bis 1050) Wort „filz“ zugrunde liegt, das wiederum auf ein erschlossenes germanisches „filta“ zurückgeht, welches schon in alter Zeit „eine ‚verfilzte‘, dem Torfmoor ähnliche Pflanzendecke oder einen Moorgrund mit ‚verfilztem‘ Wurzelgeflecht“ bezeichnete, wie Peter Anreiter in „Die Gemeindenamen Tirols“ schreibt.

Irgendwann aber trennte sich vom „Filz“ die „Filze“ ab. Das männliche Filz-Wort wurde weiblich infolge der neuen Endung -e, die im Bairischen dann durch ein -n ersetzt worden ist – siehe oben!

Zugegeben: Der Filz kann gelegentlich noch ebenso wie die Filzn ein Hochmoor bezeichnen, so etwa der „Frauenöder Filz“ in der Gemeinde Rott am Inn. Aber in unserer Region überwiegt das neuere, weibliche Wort „Filzn“, und dieses sollte man daher auch bei den sonstigen Hochmoor-Namen verwenden. Den Filz sollte man lieber der Textilindustrie oder der Politik und sonstigen „Freunderlwirtschaften“ überlassen!

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