Bad Aibling – Sechs Musiker mit fünf verschiedenen Instrumenten standen mit dem Ensemble Roby Lakatos auf der Bühne des großen Kursaals beim Gitarrenfestival „Saitensprünge“. Lakatos, Preisträger für klassische Violine in Budapest, ist zehn Jahre lang in einem Brüsseler Restaurant mit Gypsy-Jazz aufgetreten, bis ihm eine Zufallsbegegnung mit Yehudi Menuhin zu seiner internationalen Bühnenkarriere verhalf. Auftritte mit Stephane Grappelli und Maxim Vengerov mit dem London Symphony Orchestra folgten.
Das Programm von Lakatos und seinen Begleitern bei den „Saitensprüngen“ verband mehrere Musikstile in einem bunten „Crossover“. Es gab swingige Jazz-Passagen zu hören, feurige, rasante Ritte der ungarischen Csardasmusik und Klassisches.
Überraschend schräg eröffnete das Sextett den Reigen mit „New Aliance“: Die Rhythmusgruppe mit Kalman Cseki am Piano, Laszlo Balogh an der Gitarre und Vilmos Csikos am Kontrabass swingte im Hintergrund im Stil der Zwanziger Jahre, während Meister Lakatos seiner Violine Csardasmelodien entlockte. „Valse triste“ geriet sehr schön und wehmütig – ein melancholischer, gefühlvoller Schmachtfetzen. In „Hora di Marrakchi“ brannten die Musiker ein wahres Klangfeuerwerk ab. Mit viel Verve und sehr schmissig wirbelten die Finger.
Die Stücke im ersten Teil steckten voller Überraschungen. Stile und Geschwindigkeiten wechselten in rascher Folge, ständig gab es neue, ungewöhnliche Klangeindrücke für die begeisterten Hörer. Im „Doppeltanz“ brummte in einigen Sequenzen tief ein mächtiger Kontrabass. Hier spielte das Sextett feinen Bar-Jazz. Mit hohem Wiedererkennungswert geriet der „Fiddler on the Roof“ zu einem Höhepunkt in der ersten Konzerthälfte: Zunächst in Moll gespielt, wechselte die Klangart mitten im Stück und mit lächelnden Gesichtern der Musiker hin zu Dur, um in einem tanzliedhaften Finale auf dem Punkt zu enden – große Klasse! In einem irrwitzigen Duo mit seinem Hackbrett- beziehungsweise Zymbalvirtuosen Jeno Lisztes schaukelte Lakatos nach und nach das Tempo hoch. Hier konnte man nur noch staunen.
Nach der Pause kam Laszlo Boni als zweiter Violinist in einem wehmütigen „Fire Dance“ mit seinem melodischen Spiel besser zur Geltung. Doch die Aufmerksamkeit gehörte nun Lisztes mit seinen famosen Qualitäten am Hackbrett: Er ließ das Publikum teilhaben am „Hummelflug“, dem „Fly of the bubleby“. In Hochfrequenz wirbelten seine Hände mit den Schlegeln über die Saiten seiner Zymbal, eine Demonstration musikalischen Könnens und auch eine Reminiszenz an das Hackbrett als selten gehörtes Instrument. Hierfür gab es freilich einen Riesen-Extra-Applaus.
Die zweite Hälfte des Konzerts geriet wesentlich eingängiger als das erste Set und wurde zu einem virtuos gespielten Schaulaufen in den Bereichen populäre Klassik und bekannte Csardasmelodien, aus denen man immer wieder Evergreens heraushören konnte wie bei „Those were the days my friend“.
Die „Saitensprünge“ zeigten mit diesem reizvollen Konzert, dass nicht immer die Gitarre im Mittelpunkt stehen muss, wenn solche Künstler wie die Musiker rund um Roby Lakatos zu Gast sind.