Vagen – Hubert Meixner sagt „Adios“ und beendet das Projekt „Die Cubaboarischen“. Über zehn Jahre lang hat die Gruppe mit ihrer unnachahmlichen Mischung aus bayerischer Volksmusik und kubanischen Rhythmen Fans in ganz Bayern und im nahen Österreich begeistert. Legendär waren die Reisen der Cubaboarischen auf die Zuckerinsel zusammen mit einer ganzen Flugzeugladung voller Fans. Im Interview erzählt Hubert Meixner, warum er aufhört und was er zukünftig mit seiner Zeit anfangen wird.
Herr Meixner, Sie beenden das Projekt „Die Cubaboarischen“. Was ist der Grund?
Ich habe mit den Cubaboarischen ganz wunderbare Momente gehabt, aber das kostet auch unglaublich viel Energie. In den letzten Jahren haben wir keine größere Pause gemacht, das ganze Jahr über durchgespielt. Das schlaucht ganz schön. In die letzte CD habe ich beispielsweise rund 1200 Arbeitsstunden investiert. Und man muss ja immer für die nächsten zwei, drei Jahre vorplanen, neue Tourneen, neue CDs. Es ist ein gewisser Druck da, man muss immer liefern. Ich mache es wie der Philip Lahm: Für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um aufzuhören.
Viele Musikprojekte entstehen ja am Reißbrett. Man sucht eine Marktlücke und baut gezielt ein Angebot auf. Bei den Cubaboarischen war das aber anders.
Die Cubaboarischen sind aus reinem Spaß und durch Zufall entstanden. Wir waren damals naive Volksmusiker und Unterhaltungsmusikanten, die im Jahr 2000 Urlaub auf Kuba gemacht haben. In einer Bar sind wir mit drei kubanischen Musikern in Kontakt gekommen und waren von deren Musik fasziniert. Wir haben uns mit Händen und Füßen unterhalten – wir konnten ja damals kein Spanisch – und haben irgendwann gesagt, wir sind Kollegen. Die Kubaner haben uns dann zum Singen aufgefordert, bis mein Bruder den legendären Satz gesagt hat: „Geh weida, gib mir moi dei Gitarr.“ Wir haben dann dreistimmig gesungen „I hob a Diandl gliabt, so schee wias Edelweiß“. Da haben die Kubaner geschaut. Das ging dann im Wechsel hin und her, manche Stücke haben wir gemeinsam gespielt, bis sechs Uhr morgens. Als wir dann wieder zu Hause waren, haben wir uns als Musiker gefragt, wie die Kubaner das spielen. Das war eine echte Herausforderung. Ich bin studierter Kirchenmusiker, aber ich konnte das einfach nicht. Wir drei Kuba-Reisenden haben dann einen Kurs gemacht und dabei vier kubanische Lieder einstudiert, aber wir wollten die nie öffentlich spielen. Das war nur für uns, zum Spaß, um die Urlaubserinnerungen wachzuhalten.
Was ist denn so schwierig an der Musik?
Was wir spielen, ist nicht genau kubanisch. Die Kubaner sagen, ihr Rhythmus ist wie eine Kugel, die rollt. Unsere Musik ist im Vergleich dazu eher eckig, wie ein Würfel, aber genau das hat den Leuten dann gefallen.
Wie ging es dann weiter?
Wir sind die Jahre darauf immer wieder nach Kuba gefahren und haben die Musiker wiedergetroffen. Irgendwann haben wir beschlossen, jetzt pack mas: Wir haben Lieder geschrieben und immer weiter verbessert, aber immer nur für uns, bis uns Leute aufgefordert haben, das doch auch auf der Bühne zu spielen. Damals bestand unser ganzes Repertoire aus vier Liedern. Schließlich waren wir in die Volksmusiksendung von der Traudl Siferlinger eingeladen und haben dort unsere Version vom „Rehragout“ gespielt. Das hat damals riesige Wellen in der Volksmusikszene geschlagen. Manche haben gleich das Ende der bayerischen Volksmusik befürchtet. Nach der Sendung wollte ich das Projekt eigentlich einstellen, doch dann hat sich Peter Rutz verstärkt um das Organisatorische gekümmert. Wir standen schließlich vor der Entscheidung, das wirklich professionell zu machen – oder gar nicht. So nebenbei, wie bisher, als Unterhaltungsmusiker, das ging einfach nicht mehr. Wir haben uns für die Professionalität entschieden – und damit hat der Erfolg begonnen.
Und, bereuen Sie Ihren Entschluss schon?
Nein, das ist jetzt gut so, wie es ist. Ich bin sehr dankbar, wie es gelaufen ist und was ich alles erlebt habe. Da waren unsere Begegnungen mit den Menschen auf Kuba, unsere drei Kuba-Reisen zusammen mit unseren Fans. Das waren wunderbare Momente. Jetzt freue ich mich darauf, wieder mehr Zeit zu haben, auch um wieder mehr Musik von anderen hören zu dürfen. Und es ist ja auch so: Mein Sohn Leo ist schon seit diesem Jahr mit eigener Band im bayerisch-kubanischen Stil der modernen Art unterwegs. Die anderen Musiker der Gruppe werden im kommenden Jahr in einer neuen Formation zu hören sein. Vorher gehen wir aber noch einmal gemeinsam auf unsere Abschiedstournee „Servus & Adios“. Die Tour beginnt am 2. Januar im Rosenheimer Kuko und endet am 27. Februar im Münchner Prinzregententheater.
Was dürfen die Zuhörer erwarten?
Es gibt noch einmal das ganze Paket: Wir spannen den Bogen zurück zu den Anfängen und berichten die Geschichte der Cubaboarischen. Wir spielen noch einmal unsere Stücke und erzählen zu jedem Lied die Geschichte, wie und wo es entstanden ist. Wir wollen alle noch einmal gemeinsam die Cubaboarischen in der bekannten Formation genießen.
Was haben Sie anschließend vor? Wird Ihnen nicht langweilig werden?
Langeilig war es in meinem Leben eigentlich noch nie. Wer weiß, vielleicht entsteht ja etwas Neues, ohne Druck. In den letzten Jahren habe ich beispielsweise das Komponieren recht vernachlässigt. Und ich bin zweifacher Opa, da werde ich auch gebraucht. Außerdem habe ich jetzt das Kochen für mich entdeckt. Das macht mir richtig Spaß. Wer weiß, vielleicht kaufe ich mir ja einen Thermomix.
Interview: Klaus Kuhn