Rosenheim – „Nicht, dass ich Angst zu sterben hätte, ich möchte einfach nicht dabei sein, wenn’s passiert“, ist sich der biedere Angestellte Kleinman sicher. Denn Kleinman wird mitten in der Nacht von der Bürgerwehr aus dem Schlaf gerissen und soll sich nun auf die Suche nach einem mysteriösen Mörder machen, noch dazu nach einem seltsamen Plan, den weder er noch seine Begleiter kennen. Den kafkaesken Einakter „Tod“ von Woody Allen brachte der Kultur- und Theaterverein „Hut ab!“ unter der Regie von Sabine Langguth in einer sehenswerten Aufführung in der Vetternwirtschaft Rosenheim auf die Bühne.
Markus Völkel brilliert als ahnungsloser, völlig überrumpelter Spießbürger, der nicht weiß, wie ihm geschieht. Das Haar wirr zerzaust, das übermüdete Gesicht zerknautscht wie sein Kopfkissen, überzeugt Völkel mit angstvoll rollenden Augen, zitternden Händen und hilflosen Gesten. Der Mörder, der zuletzt den Nachtwächter mit einer Klaviersaite erwürgt hat, kann überall sein. Zunächst ist Kleinman geschmeichelt, weil er von Nachbarin Anna (Beatrix Epple) dazu animiert wird, bei der Suche nach dem Mörder eine wichtige Rolle zu spielen.
Ein Mann mit Stock und Schiebermütze (Karl Scherlin) versucht Kleinman, der nicht allein zurückbleiben will, bei der Suche anzutreiben. Ein Arzt (Daniel Wendrock), dessen irre, exaltierte Ausfälle Belustigung hervorriefen, zeigt lediglich wissenschaftliches Interesse am asozialen Verhalten des Mörders.
Die abgebrühte Prostituierte Gina (Brigitte Wurmannstätter) ist es gewohnt, nachts auf der Straße zu sein. Als Kleinman sie aus naiver Neugierde küsst, verlangt sie dafür auch noch Geld. „Die Stadt“, weiß Gina, „ist nachts kalt wie das Weltall“. Ein Mann (Franz-Joseph Müller) macht Kleinman Angst mit seinen düsteren Erlebnissen, ein Polizist (Günther Makulik) schleudert ihm Drohungen entgegen.
Kleinman wühlt das Publikum immer wieder mit seinen Angstmonologen auf, seine Verzweiflung wirkt glaubwürdig und authentisch. Beklemmend ist schließlich die Szene, als er den Mörder, für den ihn die anderen halten, nach seinen Motiven fragt.
Überzeugend spielen die esoterisch durchgeknallte Hellseherin Spiria (Beate Rauschner) mit ihrer hübschen Assistentin (Lena Müller), Hank (Ronald Urban), der nervös mit einem Klappmesser hantiert, eine resolute ältere Dame (Dana Bernit) und die drei eifrigen Jugendlichen (Maximilian, Benedikt und Sebastian Scherlin).
Für die schauspielerische Leistung erhielt das überwiegend aus Laien zusammengesetzte Ensemble vom Publikum am Ende anhaltenden Beifall.