Ausraster auf der Bühne

von Redaktion

Kaya Yanar begeisterte sein Publikum im Kultur- und Kongress-Zentrum Rosenheim

Rosenheim – Wer kennt sie nicht: die kleinen und größeren Aufreger des Alltags: kilometerlange Staus, Trödler auf der Autobahn, Leute, die ständig auf ihr Handy glotzen oder sich an der Kasse vordrängeln. „Zum Ausrasten“, findet auch Comedian Kaya Yanar und hat daraus ein abendfüllendes Programm gemacht. Die Besucher im Kultur- und Kongresszentrum kamen zwei Stunden lang gar nicht mehr aus dem Lachen heraus.

Bekannt wurde der deutsche Komiker mit den türkischen Wurzeln vor allem durch die Comedy-Fernsehsendung „Was guckst du?!“, bei denen er mit den Klischees verschiedener ethnischer Gruppen spielte. Seit über 20 Jahren tourt er durch die Lande und schafft es nach wie vor, Hallen zu füllen. Auch sein Auftritt im Kuko war ausverkauft.

Das Bühnenbild präsentierte Kaya Yanar als riesigen, muskelbepackten, grünhäutigen und vor Wut schäumenden Hulk. Der reale Comedian hat nichts von einem Superhelden und genau das macht ihn für seine Fans so sympathisch. In seinem aktuellen Programm „Ausrasten für Anfänger“ geht es darum, was ihn als 45-Jährigen, der auf die 60 zugeht, alles überfordert. Das fängt bei der Benutzung des Smartphones an. „Smombies“, also Leute, die auch im Straßenverkehr ihre Augen nicht davon lassen können, regen ihn beispielsweise riesig auf. „Die müsste man straffrei überfahren dürfen“, wetterte der Comedian lautstark auf der Bühne. Probleme bereiten ihm außerdem Hightech-Duschen in Hotels, Fernseher, „für deren Bedienung man Informatik studieren muss“ und Navis in Mietwagen, die sich mit dem Fahrer nur auf russisch unterhalten wollen.

In derartigen Erzählungen fanden sich die Zuschauer im Kuko schnell wieder. Dementsprechend viel Applaus kassierte Kaya Yanar schon in der ersten Hälfte seines Programms. Mit dem gekonnten Einstreuen von Lokalkolorit zog er das Publikum zusätzlich auf seine Seite.

Nach der Pause wertete er die Antworten aus seiner kleinen Fragerunde aus – interessanterweise dann doch wieder mittels Smartphone. „Was lässt Sie ausrasten?“, wollte er von den Besuchern wissen. Der Straßenverkehr wurde am häufigsten genannt. Damit liegt Rosenheim voll im deutschlandweiten Trend, stellte der Komiker fest. Wesentlich interessanter fand er den Kommentar: „Mich ärgert, wenn jemand vor mir plötzlich stehen bleibt.“ „Ist das wirklich so in Rosenheim?“, wunderte sich Kaya Yanar. Auf das zustimmende Nicken von verschiedenen Stellen im Saal reagierte er mit schallendem Gelächter.

Zu Lachen gab es an diesem Abend auf beiden Seiten viel. Doch hinter dem Humor steckte durchaus auch Tiefsinn, etwa beim Thema Elternsein. „Für alles braucht man in Deutschland einen Schein. Nur für das Kinderkriegen nicht“, stellte Kaya Yanar nachdenklich fest und allen Frauen im Publikum riet er von Schönheitsoperationen ab: „Werdet doch einfach alt!“

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