Fünf-Gang-Menü voller Kleinkunst

von Redaktion

„Kultur Pur“ begeisterte zum 22. Mal das Publikum im Rosenheimer TAM-Ost

Rosenheim – Mit glitzerndem „Glücks-Cent“ begrüßte Organisator Werner Rösler das Publikum von „Kultur Pur“ im Tam-Ost – und das bereits zum 22. Mal. Solange gibt es bereits die „Leckerbissen für die Rosenheimer Kleinkunstszene“, die heuer als „Fünf-Gang Menü“ die Besucher begeisterten.

Als Antipasti servierte Sebastian Schlagenhaufer ein bissiges, zeitaktuelles, politisch-inspiriertes Kabarettprogramm, „das man sich leisten muss“. Gerade in Bayern stelle sich oft die Frage: „Ist diese Politik noch Politik, oder schon Kabarett, oder Realsatire, oder – mit Blick auf das Verkehrsministerium – kostenlose Comedy zur besten Sendezeit?“ „Lustig ja, aber gewiss nicht kostenlos für den Steuerzahler“, meinte Schlagenhaufer zur vier Jahre währenden Autobahnmautdebatte. Der Kabarettist thematisierte die Gefahren von Weltraumschrott, ärgerte sich in seinem Internet-Song über Telefonhotlines, schlug „Par Ships“ für Politik vor und plädierte für ein Abgeordneten-Lotto zur gerechteren Repräsentation der Volksvertreter. Mit „Bella Ciao“ verabschiedete er sich musikalisch von Kellerasseln, Hellas und Holzfällern.

Als Suppe „Allerlei“ entführte Pantomime Julian Nort, alias Jack, die Zuschauer in seine rasante, verrückte „Crazy World“ mit Szenarien aus Kinohits wie „Krieg der Sterne“, „Der Pate“ und „Forest Gump“. Attackierende Affen, Monsterwellen und Treibsand, begleitet von beeindruckendem Didgeridoo-Sound zeigten das Können des Lautakrobaten und Pantomimen, der bei seinen rasanten Szenenwechseln selbst ordentlich ins Schwitzen kam.

Ganz gelassen hingegen der Münchner Liedermacher und Gitarrist Hundling, alias Phil Höcketstaller, der als letzter Gang vor der Pause auf der Bühne erschient. In mitreißendem Reggea-Sound spielte er sein pazifistisches Ritterlied vom kleinen Ritter Dando. Humorvoll-tiefgründig folgten Songs über exzessiven Alkoholkonsum „I hab mei Heisl verkaaft“ und Spießer, denen er mit seinem Songtext „Es gibt keine musikfreie Zone, solange ich diese Welt bewohne“ den Kampf ansagte. Unterstützt wurde der Münchner dabei von einem großartigen Publikumschor, der mit dem Refrain „I sing, weil i sing, weil i so gern sing“ lautstark seine Stimmstärke bewies.

Nach der Pause ging es weiter mit einem Schmankerl aus der Poetry-Slam-Küche. Eva Niedermeier, mehrfach ausgezeichnete Slam-Poetin und Liedermacherin aus Bad Aibling, berührte mit zarten, aussagestarken, Mut machenden, poetischen, lebensnahen Texten. Mit sanfter Stimme sang und erzählte die 19-Jährige von Verlusten, Gefühlschaos, inneren Ängsten und davon, dass es weitergehen muss. „Ich hab schon viele traurige Liebeslieder geschrieben, doch jetzt passt das einfach nicht mehr“, meint Niedermeier schließlich und begeisterte am Ende mit einem fröhlichen Liebeslied voller witziger Vergleiche in Hip-Hop-Manier und mit Ukulele-Begleitung.

Als deftiges Dessert gab es den Gaudiburschen, Liedermacher und Musikkabarettisten Michi Dietmayr, der unter anderem mit den „Drei nur mit Gitarre“ auf der Bühne steht. Frech, fröhlich, frivol, fetzig und flott – Dietmayr lässt in seinem Miniprogramm „Best of“ seinem Talent als Entertainer freie Bahn.

Er sieht für den Frieden auf der Welt „rot“, wenn er von den „Mamis auf dem Fußballfeld“ singt. Mit seinen „Kinderliedern für die „Ochsenbraterei“ lässt er Weihnachten in neuem Licht erscheinen und als Vater einer pubertierenden Tochter kontert er stimmgewaltig und Jugendsprachgewandt die verbalen Ergüsse seines Nachwuchses.

In einem lautstarken Chorfinale lieferten sich die Sängerinnen im Publikum mit den anwesenden Herren einen munteren Gesangswettbewerb, der unentschieden endete. In der Zugabe „Schatz, bitte nicht jetzt“ thematisierte Dietmayr scheinbar typisches Verhalten in der Partnerschaft mit vertauschten Rollen.

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