Das imaginäre Interview mit Josephine Baker

von Redaktion

Rayka Emmé und die Lifve Chords begeisterten in Maxlrain mit einer Rundum-Show das Publikum

Bad Aibling – Es gibt Lesungen, es gibt Interviews, es gibt Ausstellungen und es gibt Konzerte. Aber wann gibt es schon einmal alles zusammen? Was die Lifve Chords unter Rayka Emmé in der Schlosswirtschaft Maxlrain im wahrsten Sinne des Wortes auf die Bühne zauberten, war schlichtweg umwerfend.

An den Wänden der Bühne prangen Porträts von Josephine Baker (1906 bis 1975) und Martin Luther King, mit dem die Künstlerin 1963 Seite an Seite marschierte. Eine lebensgroße Holzfigur zeigt die Amerikanerin mit strahlendem Lächeln und vor Lebenslust blitzenden Augen. Bilder vom Paris der 20er-Jahre ergänzen die Illusion. Die gesamte Bühnenausstattung ist von Kontrabassist Nikolaus Stigloher und Sängerin Rayka Emmé gestaltet. Fotos aus der Konzertbroschüre stammen von Pianist Raphael Lichius. Für die Technik sind Gitarrist Sebastian Ludwig und Schlagzeuger Giuseppe Watzlawick verantwortlich. Ein Teamprojekt, das weit über die üblichen Arrangements hinausgeht.

Die Idee zu dieser Reise in eine vergangene Welt und zu einer zu Unrecht fast vergessenen Künstlerin hatte die Sängerin der Lifve Chords noch dazu. Mal melancholisch mit warmen Timbre wie bei „C’est toi“, mal frech-lasziv wie bei „C’est si bon“ weiß sie das Publikum in eine ferne Zeit zurückzuversetzen. Wenn die Sängerin dann beginnt, Josephine Baker zu „interviewen“, wird „la Baker“ tatsächlich lebendig. Mit dem Kunstgriff des Interviews – die Antworten auf Emmés Fragen kommen vom Band – wird aber nicht nur vom dramatischen Leben der in den Slums von St. Louis geborenen Künstlerin berichtet. Das Interview gibt auch einen ebenso berührenden wie lebensnahen Einblick in eine nicht minder atemberaubende Zeit – Mitte der 20er-Jahre bis Mitte der 70er-Jahre.

Sängerin Rayka Emmé begeisterte sich von Kindheit an für Josephine Baker. Festgestanzt in den Köpfen sei den meisten aber ein Bild, erklärt Emmè: die Afroamerikanerin halbnackt mit Bananenröckchen. Damals, 1926, ein Skandal. Empörung über die Freizügigkeit und Bewunderung ob ihrer Tanzkunst hielten sich die Waage. Die in den USA rassistisch verfolgte Tochter einer Afroamerikanerin und eines Juden fand in Paris eine neue Heimat, kam hier zu Ruhm. Sie war, so Rayka Emmè, „aber so viel mehr als die auf Skandal und Eros reduzierte Provokateurin“. Schlichtweg eine Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin von Rang mit einem teils verwegenen Lebensstil. Eine Visionärin, die sich hochkämpfen musste aus ärmsten Verhältnissen.

Das Konzert war schon im Vorfeld schnell ausverkauft – zu Recht. Ein begeistertes Publikum feierte das Ensemble am Schluss mit donnerndem Applaus. Aufgrund der großen Nachfrage gibt es ein Wiederholungskonzert am 12. Januar wieder in der Schlosswirtschaft Maxlrain.

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