Chiemsee – Auch im nächsten Sommer heißt es wieder: „Der Welt entrückt“ auf Herrenchiemsee: Die Herrenchiemsee Festspiele finden vom 16. bis 28. Juli 2019 statt. Die Weltentrücktheit beginnt schon mit der Schiffsüberfahrt und endet mit der Rückfahrt über den See im Mondlicht. Mit der Pferdekutsche, mit dem Shuttle-Bus oder mit einem Spaziergang erreicht man das Schloss Herrenchiemsee, wo man vom Brunnenrauschen begrüßt wird. Die rauschen auch in den Pausen, in denen Alphornbläser, geleitet von Livrierten, das Pausenende ankündigen. Alles königlich genug für das Motto „Ein Königreich der Künste“.
Wie der geschäftsführende Programmdirektor Josef Kröner betont, werden die Festspiele nach dem Tod des charismatischen Dirigenten Enoch zu Guttenberg „in seinem Sinne“ weitergeführt, das Programm für 2019 sei noch mit Guttenberg geplant worden.
Das nächstjährige Motto „Ein Königreich der Künste“ stellt die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts in den Mittelpunkt. In dieser Zeit entstanden sowohl der Absolutismus, also die uneingeschränkte Macht eines Königs, als auch später die Aufklärung, die der Vernunft den Weg bereitete. Der große Dichter John Milton schrieb Mitte des 18. Jahrhunderts: „Wir erkennen und bekennen, dass alles Gottes ist auf Erden wie im Himmel, dass alles durch ihn besteht, alles von ihm geschieht. Aber dieses allgemeine Recht Gottes hebt nicht auf das Recht des Volkes. Deswegen sollen alle Könige ihren Ursprung im Volke erkennen und ihm für ihre Macht Dank wissen.“ Dieses Denken in seiner Verschränkung von Gott, König und Volk hat eine große Kultur und unendlich viel großartige Musik hervorgebracht.
Start am 16. Juli
auf Frauenchiemsee
Wie immer beginnen die Festspiele mit zwei Konzerten im Münster Frauenchiemsee: Der Kammerchor und das Orchester der Klangverwaltung unter der Leitung von Fabio Biondi feiern die Musik von Antonio Vivaldi mit dessen „Stabat mater“ und dem „Gloria“ am Dienstag, 16. Juli. Orchestermusik von Bach, Felice dell’Abaco und Sammartini erklingt am Tag darauf, es spielt Concerto Köln.
Der Abend am Donnerstag, 18. Juli, im Spiegelsaal des Schlosses Herrenchiemsee vereint unter dem Motto „Parfum & Musique“ drei französische Musikstücke: Die Symphonie von Georges Bizet, das Cello-Konzert von Camille Saint-Saëns sowie „Stillages, Sons de Parfums“ von Bruno Soeiro. Solistin ist die berühmte Cellistin Sol Gabetta. „Dresden und Leipzig 1845“ sind die Schauplätze der Musik von Wagner, Mendelssohn Bartholdy und Schumann. Das Orchester der Klangverwaltung unter der Leitung von Thomas Zehetmair spielt dabei am Freitag, 19. Juli, Wagners „Tannhäuser“-Ouvertüre, Schumanns 2. Symphonie und Mendelssohns Violinkonzert mit Rebekka Hartmann als Solistin. Das Konzert „Wandel der Epochen“ präsentiert Musik von Rameau, Haydn, Wagner und Dutilleux, nämlich dessen „Mystère de L’Instant“. Das Münchener Kammerorchester wird geleitet von Clemens Schuldt.
„The Dancing Queen“ ist das Konzert am Sonntag, 21. Juli, betitelt. Das Finnish Baroque Orchestra und finnische Gesangssolisten spielen und singen Musik aus dem Leben der Königin Christine von Schweden, die jung den Thron bestieg, dann diesem Throne entsagte und in Rom lebte, wo sie den katholischen Glauben annahm.
Berauschende Gambenklänge bietet am Montag, 22. Juli das Ensemble Tourbillon mit dem Gambisten Petr Wagner, Musik von Bach und seinen Söhnen sowie Benjamin Britten hat die Academy of St. Martin in the Fields im Gepäck bei ihrem Auftritt am Dienstag, 23. Juli, Streichquartette von Haydn und Beethoven spielt das weltberühmte Quatuor Mosaïques am Mittwoch, 24. Juli.
Das Münchener Rundfunkorchester kommt am Donnerstag, 25. Juli, mit der „Schottischen Symphonie“ von Mendelssohn Bartholdy, der „Rienzi“-Ouvertüre von Wagner und „Les Préludes“ von Liszt. Die Leitung hat Ljubka Biagioni. Auch aus München kommt die „Hofkapelle München“ unter Leitung von Rüdiger Lotter, die Französische Revolutionsmusiken bietet, wozu auch Beethovens „Eroica“ gehört, dies am Freitag, 26. Juli. Festliche Trompetenmusik vom Hofe von Versailles steht auf dem Programm am Samstag, 27. Juli, mit der Capella Gabetta und dem Trompeter Gábor Boldoczki. Die Festspiele schließen am Sonntag, 28. Juli, mit Beethovens 2. Klavierkonzert und Bruckners 7. Symphonie. Solistin ist Mari Kodoma, das Orchester der Klangverwaltung wird geleitet von Kent Nagano.rwj