Rosenheim – Klaus Obermayer, 1943 in Passau geboren und 2009 in München gestorben, war ein umtriebiger Komponist, daneben gelernter Elektrotechniker, auch Fagottist, Autor, Verleger, Computerspezialist und Filmregisseur, vor allem 16 Jahre lang Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tonkünstlerverbandes und in dieser Eigenschaft Mitbegründer der Künstlersozialversicherung. Als einen „Musik-Mensch der vielen Talente“ hat ihn Theo Geißler bezeichnet in der jüngst erschienen Monografie, dem Band 63 der Reihe „Komponisten in Bayern“.
Der Rosenheimer Komponist Walther Prokop hat in dieser Monografie die Lebens-Chronik und Biografie verfasst. Darin charakterisiert er Obermayers Wesensart als „mitunter spontan und impulsiv-kauzig“, dessen Musik als „plastisch, fasslich und pointiert“ und zitiert dabei die Worte des Kritikers Reinhard Schulz: „Gerne schreibt Obermayer landläufige Tänze, durchzogen von Zitatanklängen und witzigen Wendungen, in denen immer der Schalk des Musikanten durch die Ritzen lugt“.
Obermayer hat eine Oper mit dem Titel „Lola“ geschrieben auf ein Libretto des bekannten Autors Herbert Rosendorfer, mit dem er befreundet war. Dieser Oper widmet Jan Golch in der Monografie zwölf Seiten und lobt die Musik als „Balance zwischen griffigem Orchestersatz, überzeugenden Gesangspartien, grotesker Verfremdung und stilvoller Parodie“.Wäre diese Oper nicht mal was für unsere hiesigen ehrgeizigen Opernproduzenten? Kilian Sprau schreibt über die „Herz Jesu Messe“ (1988), die der damals beliebte Pfarrer Fritz Betzwieser bei Obermayer bestellt hatte und über die Walther Prokop urteilt, dass sie „von mitreißender Vitalität strotzt.“ Wäre das nicht mal was für unsere hiesigen ehrgeizigen Kirchenmusiker?
Franzpeter Messner befasst sich mit Obermayers Orchestermusik, Simon Hensel mit der Kammermusik, die mit über 70 Werken den Hauptteil des Oeuvres von Obermayer ausmacht. Dessen „bärbeißiger Humor“ äußert sich dabei im Titel seines letzten Werkes: „Lappalien für drei zweite Fagotte“. Eva-Maria Krinninger, die eine Bachelor-Arbeit über Klaus Obermayer verfasst hat, untersucht dessen Klaviermusik mit der „Sauwald-Toccata“ (1979), die sich auf das Hauptwerk des auch mit Obermayer befreundeten Dichters Uwe Dick bezieht.
Rosendorfer schreibt dazu, sie sei „ein Beispiel für grimmigen und vielleicht auch zornigen musikalischen Humor. Musik muss auch, meint man herauszuhören, beißen können.“ Also aufgemerkt: Die Musik von Obermayer ist bärbeißig und kann beißen. Man muss sie nur spielen. RAINER W. JANKA