Ein begeisterter und begeisternder Chor

von Redaktion

Adventliche Musik mit dem Joseph-Haas-Chor in der Kirche St. Korbinius in Heufeld

Bruckmühl – Seit gut einem Jahr ist die gebürtige Aiblingerin Anna Töller die Leiterin des Aiblinger Joseph-Haas-Chores. In dieser Zeit hat sie sichtbar den Chor verjüngt und auf sich eingeschworen. Mit Feuereifer sind die Sänger und Sängerinnen dabei und fast magisch angezogen sind ihre Blicke von der Dirigentin. Die Chor gruppiert sich immer wieder lautlos und unauffällig um, nach einem kleinen Handzeichen öffnen alle Sänger ihre Mappen synchron: Die Chordisziplin ist unübersehbar und auch ein Zeichen für den geschlossenen, von innen heraus belebten Chorklang. Töller dirigiert mit sehr suggestiven, energischen und klaren Gesten.

Das Adventskonzert in der Kirche St. Korbinius in Heufeld ist ungewöhnlich stringent konzipiert, ja richtiggehend komponiert. Alles passt zusammen, auch die Texte, die Kathi Leitner – manchmal etwas rasch – liest, sind jeweils auf die davor oder danach gesungenen Lieder abgestimmt. Die Bläser der Dreder Musi eröffnen mit festlich-feierlichen Klängen hoch von der Empore das Konzert und fügen sich am Schluss ein bei der Schütz-Motette. Das Umadum-Trio spielt in echter Saitnmusi-Besetzung mit Hackbrett (Katharina Buchner), Zither (Marianne Mayer) und Kontragitarre (Johanna Spitzl) feinsinnig-zart und beseelt das „Rittner Menuett“ von Florin Pallhuber und den „Güldenen Rosenkranz“, an der Orgel improvisiert Konrad Liebscher stimmungsvoll über die vorher gesungenen Melodien.

Der Chor sang die üblichen bekannten Lieder und Motetten zur Adventszeit – aber leider nichts von Joseph Haas, dem Namenspatron des Chores. Dabei hat der ja eine eigene reizvolle „Christnacht“ geschrieben. Aber diese bekannten Weisen klangen ansteckend frisch und ganz neu, vor allem wegen der augenleuchtenden Singesfreude und weil Anna Töller alles mit wortausdeutender Dynamik und Temposteigerungen ausgestattet hatte. So steigerte sich die Weihnachtsfreude im sich überbietenden Doppelchorwechselgesang in „Rorando coeli“ von Jan Campus Vodnansky.

Einen satten Jungmännerchorklang zeigte das junge Vokalensemble des Joseph-Haas-Chores in „In Nacht und Dunkel liegt die Erd“ von Annette Thoma, von innen heraus glühend intonierten die jungen Mädchenstimmen „Ave Maria zart“ von Johann Georg Braun. Macht- und schwungvoll, ja freudig erregt forderte der Chor „Machet die Tore weit“ (Andreas Hammerschmidt) mit einem beschwingten „Hosianna“-Walzer, eine erfolgreiche Stimmbildung hörte man im „Englischen Gruß“ von Johannes Brahms und auch das bekannte „Übers Gebirg Maria geht“ von Johann Eccard glänzte mit hochengagierten und eifrigen Sopranstimmen. Und wenn Gott das „Rorate“ von den fordernd-kräftigen Männerstimmen hört, muss er ja den Himmel öffnen und seinen Sohn schicken.

„Im Woid is so staad“ sang der ganze Chor ganz sacht und geheimnisvoll flüsternd: magische Heilige-Nacht-Stimmung. Nur beim „Himmlischen Adventjodler“ von Lorenz Maierhofer detonierten die eifrigen Sänger, sodass deren Töne mit den dazukommenden Bläsertönen kollidierten.

Aber alles stimmte wieder beim finalen Jubelgesang, der Motette „Lobe den Herren meine Seele“ von Heinrich Schütz mit Chor, Orgel, Bläsern, jugendlichem Favoritchor und vier hervorragenden jungen Solisten, die den barocken Ziergesang beherrschten (Elisabeth Eder, Johanna Gareis, Tim Lehmann, Marinus Kreml). Man kann sich schon auf das nächste Konzert dieses begeisterten und begeisternden Chores freuen – aber bitte dann auch mit Musik von Joseph Haas!

Artikel 5 von 10