Orgelfieber in Kolbermoor

von Redaktion

Romantische Orgelmusik mit Zimbelstern in der Kirche Heiligste Dreifaltigkeit

Kolbermoor – Vor sechs Jahren wurde die neue Orgel in der Kirche Wiederkunft Christi in Kolbermoor fertig, nun feierte man in der Kirche Heiligste Dreifaltigkeit, die zur selben Pfarrei gehört, die Fertigstellung der Restaurierung der Orgel aus dem 19. Jahrhundert. Pfarrer Maurus Scheurenbrand sprach in seiner Begrüßung gar von einem „Orgelfieber“, das Kolbermoor ergriffen habe. Die Kirche jedenfalls war voll beim Eröffnungskonzert des Pfarrei-Organisten Gerhard Franke.

Franke wählte Musik aus der Erbauungszeit der Orgel: also romantische Orgelmusik für die romantisch intonierte Orgel mit den warmen Registern. Choralimprovisationen aus op. 65 von Siegfried Karg-Elert (1877 bis 1933) gliederten das Programm. Türensprengend mächtig ist die Improvisation von „Macht hoch die Tür“, die die Melodie fast auflöst in farbig funkelnde Klangflächen, während „Mit Ernst, o Menschenkinder“ ruhig dahinfließt.

Die warmleuchtenden Register kamen zum Einsatz in der Improvisation über „Wie schön leuchtet der Morgenstern“, dazu als Überraschung der glöckchenglitzernde Zimbelstern. Schlicht war „Nun komm der Heiden Heiland“ von Moritz Brosig (1815 bis 1887), dessen Festmesse den vormittäglichen Festgottesdienst geziert hatte.

Das „Pastorale“ aus der 20. Orgelsonate von Joseph Rheinberger (1839 bis 1901) registrierte Franke ein bisschen dick, so dass der Schalmeienton nicht so deutlich wurde. Dafür machte er in der Orgelsonate d-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 bis 1847) durch die feinsinnige Registrierung die geschmeidig-spielerische Verarbeitung des Chorals („Vater unser im Himmelreich“) transparent. Bei allen Orgelwerken wurden auf eine Leinwand die Texte projiziert, so dass man verfolgen konnte, was die einzelnen Komponisten jeweils daraus machten.

Programmatischer Höhe- und Schlusspunkt war die grandiose Fantasie und Fuge über den Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ op. 52/2 von Max Reger (1873 bis 1916). Da war der projizierte Text in der Tat hilfreich, weil Reger da die Choralmelodie in fernsten Harmonien sich verlaufen lässt. Nach lastendem Beginn wird die Choralmelodie prächtig ausstaffiert und geradezu mit Klangfarben wie aus einem Farbeimer überschüttet, bis Parsifal-ähnliche Klänge das Abendmahl illustrieren und alles am Ende in eine hochkomplexe Fuge mündet, deren Verzweigungen und Verdichtungen Franke trotzdem transparent machte und deren Schluss eine einzige Orgel-Apotheose ist: eine Feier für die erneuerte Orgel mit hochromantischem Klang.

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