Neubeuern/Rosenheim – „Cantosonor“, das Gesangsquartett aus Opernsängern, war wieder einmal zu Gast in der Region, einmal im Bürgersaal Neubeuern, einmal im Hans-Schuster-Haus in Rosenheim. Mit internationalen Weihnachtsliedern reisten sie einmal um die Welt, zeigten, dass Weihnachten ein Fest der Lieder ist, das überall anders gefeiert wird: sentimental in Deutschland, lustig-fröhlich in England, singfreudig in Italien, melancholisch in Finnland, nationalbetont in Katalonien, swingend in den USA. Einige bekannte Weihnachtslieder waren dabei, viele unbekannt, doch kennenswert.
Nur selten genossen die vier Opernsänger (Marcus Herzog, Ulf Haselsteiner, Florian Podgoreanu, Michael Doumas) den Vollklang ihrer geschulten Stimmen; im einleitenden „Adeste fideles“ und im französischen „Cantique de Noel“ von Adolphe Adam. Ansonsten dimmten sie ihre Stimmstärke auf angenehme Dezibel-Stärke herunter bis zum basssummenden Piano.
Ein spanisches Wiegenlied bricht schnell in spontane Freude aus, das typische italienische „Tu scendi dalle stelle“ tanzt im fröhlichen Sechs-Achtel-Takt, ein walisisches Lied besingt das Trinken und das Flirten, das schottische Weihnachtslied „Baloo lammy“ ist ein Wiegenlied für ein Lamm, über das die Hirten bei Christi Geburt wachen.
Das schwedische Lied „Jul, Jul“ besingt den Schnee als himmlischen Glanz, das berühmteste finnische Weihnachtslied melancholisch einen Spatz am Weihnachtsmorgen, ein ukrainisches strotzt vor feierlichem Männerchorklang, ungemein zärtlich ist das polnische „Lulajze Jezuniu“, während das feierliche katalonische Weihnachtslied „El cant dels ocells“, in dem alle Vögel Christi Geburt bezwitschern, zur heimlichen Nationalhymne wurde.
Aus den deutschsprachigen Landen erklangen „Josef, lieber Josef mein“ und „Still, still“ – alles in ungemein reizvollen Arrangements von Ulf Haselsteiner. Von „Leise rieselt der Schnee“ distanzierte sich „Cantosonor“ ironisch durch eine eingestreute Nasenbläserstrophe. Den Schluss bildete das weltweit berühmte „White Christmas“ von Irvin Berlin, bis, nach heftigem Beifall, die Sänger noch ein vergnügtes „Swinging-Christmas“-Potpourri zugaben, diesmal sacht tanzend und ganz ohne Notenmappen, beflügelt auch durch den Mann am Klavier, Carlos Goioetxea, der alle Lieder fein und oft überraschend begleitete.