Eggstätt – In allen Medien ist dieser Tage von „Stille Nacht, Heilige Nacht“ die Rede. Dieses Lied hatte an Weihnachten 1818 in Oberndorf seine Premiere. Somit gilt es, ein 200-Jahre-Jubiläum zu feiern. Aber ausgerechnet in der Gemeinde Eggstätt? Ja und nein! Joseph Mohr (Text) und Franz Xaver Gruber (Melodie) waren zwar 1818 in Oberndorf präsent, aber in einem anderen Ort dieses Namens, der im Salzburger Land liegt.
In der Chiemgauer Gemeinde Eggstätt gibt es nun ebenfalls ein Oberndorf und zudem gehörte auch Eggstätt um 925 herum zum Besitztum des Erzbischofs Odalbert von Salzburg. Warum es aber im Jahre 2018 auch in der Gemeinde Eggstätt etwas zu feiern gibt, begründet sich im Gemeindejubiläum. Unter anderen wurde auch Eggstätt im Zuge der Verwaltungsreform des Jahres 1818 zur selbstständigen Gemeinde erhoben. „Dees hamma aba ned bsundas gfeiert“, beschwichtigt Christian Glas, Zweiter Bürgermeister der Gemeinde. Stattdessen führt Glas viele eindrucksvolle Gegebenheiten aus dem Gemeindeleben an.
Die Eggstätt-Hemhofer Seenplatte („ned andersrum gschriem, wia dee Hemhofer moanan!“) besteht aus bis zu 17 Seen, die sich zwischen Bad Endorf und Eggstätt befinden. Sie ist Bayerns ältestes Naturschutzgebiet!
Das Vereinsleben ist überaus ausgeprägt, so etwa durch den Trachtenverein D‘ Hartseer, der nach dem Hartsee benannt ist, an dessen rechtem Ufer und in leicht erhöhter Lage (539 Höhenmeter) Eggstätt liegt. Zudem gibt es dort gleich vier Schützenvereine.
Besondere Erwähnung verdient die geglückte Integration der Vertriebenen aus dem Sudetenland. Stellvertretend sei hier der pensionierte Oberlehrer Herbert Haubl genannt, der nicht nur als Lehrer und Schulleiter, sondern auch als Organist und Chorleiter zu Eggstätt wirkte und im Jahre 2012 die Ehrenbürgerwürde erhielt!
Schön zu hören, wie lebendig die bairische Sprache in Eggstätt noch floriert: Die Eggstätter hört man als solche noch gut heraus, etwa im Vergleich mit den Rosenheimern. Dort heißt es für das deutsche „Bild“„Buidl“, in Eggstätt aber „Bäidl“, wie Christian Glas fachkundig erklärt.
Nach der Auffindung und Übernahme des Wappens des Adelsgeschlechts der „Eggstetter“ bleibt für Eggstätt nur noch eine einzige Unklarheit bestehen: Die Erklärung des Ortsnamens. Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein tendiert in seinem „Lexikon bayerischer Ortsnamen“ zwar eher zum germanischen Personennamen Ekho oder Eccho, hält aber auch eine Erklärung durch althochdeutsch „eggi“ für „Eck“ für möglich.
Die erste Nennung aus dem Jahre 925 lautet: Ehchistat. Über das Grundwort gibt es keinen Zweifel: Althochdeutsch stat bezeichnet „Stätte, Stelle, Ort, Wohnstätte“. Wäre nun eine Wohnstätte eines Ekho anzusetzen, würde die erste Nennung wohl „Ehchenstat“ gelautet haben. Da wir aber ein Eggstätt und kein Eggenstätt haben, tendieren wir mehr zur Herleitung vom Eck. Dieses konnte in alter Zeit nicht nur eine Ecke, sondern auch eine Kante und einen erhöhten (Fels-)Vorsprung bezeichnen. Und von Eggstätts erhöhter geografischer Lage war ja schon die Rede! Also? höa