Rosenheim – „Bienvenidos, Servus und Grüß Gott beinand“, so lautete in bairisch-spanischem Mix die Begrüßung der „Cubaboarischen“ an ihr seit vielen Jahren treues Publikum. Zur Einstimmung an das Abschiedskonzert kredenzte die Band zunächst Bilder von der Zuckerinsel mit einem Video, das die Band bei einem musikalischen Rundgang in Trinidad zeigte. Mit großem Applaus marschierte die echte Band zur Bühne im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum und erwies sich fortan wieder einmal als mitreißende und toll aufspielende Liveband.
Seit dem Jahr 2000 und einer ersten gemeinsamen Kubareise gibt es die Formation, damals hatten sich alle mit dem musikalischen „Kubavirus“ infiziert und begannen, kubanische Rhythmen mit traditioneller bayerischer Musik zu verbinden. Jetzt verabschiedete sich Hubert Meixner als langjähriger Bandleader nach vielen Konzerten, einigen Kubareisen – davon drei als „Fan-Reise“ – und mehreren CD-Produktionen und bedankte sich für die Treue und Begeisterung der Anhänger.
„No me llores más“ und die „Mondscheinbrüder“ zeugten am Anfang vom unterhaltsamen Wechsel von karibischen und bayerischen Rhythmen. Auf schmachtende Balladen folgte in der Gesamtchoreografie gerne ein „Wachmacher“ in Form einer Polka, wie dem im Volksmusikarchiv Bruckmühl ausgegrabenen Galopp „Der Hunderter“.
Ein Markenzeichen sind die Titel, in denen die Musiker Spanisches und Bairisches verschmelzen, wie in der Fusion des „Jennerweinlieds“ mit „der“ kubanischen Hymne „Hasta Siempre Comandante“, gewidmet dem Idol und Strategen Che Guevara. So rüttelte die „Kräuterhex“ die Gäste gut durch – auf Kuba würde die Hex´ dem „hierberito“ entsprechen, dem „Kräutermann“ – so gibt es einige Verbindungen bezüglich der Traditionen.
Ein wenig Nostalgie kam auf, als die Musiker Erinnerungen an die gemeinsame Zeit wachriefen: Viele Begegnungen mit kubanischen Musikern standen auf dem Programm, man traf beispielsweise die Sängerin Omara Portuondo („Buena Vista Social Club“) und spielte ihr ein Genesungsständchen. Ihr widmeten die „Cubaboarischen“ ein sehr schön interpretiertes „Lagrimas Negras“ („schwarze Tränen“), auf das der auch aus einem Film von Pedro Almodóvar bekannte Bolero „Quizás“ folgte. Ein besonderer Höhepunkt der Kubabesuche war, als die Band einen Spontanauftritt im legendären Club „Casa de la Trova“ in Santiago hinlegen durfte.
Ein Dauerbrenner wie „Guantanamera“ musste freilich genauso im Abschiedsrepertoire vertreten sein wie „Un montón de estrellas“. Der vielleicht größte Hit der „Cubaboarischen“ ist das rasante „Rehragout“, bei dem auch die Tänzer in den Gängen nochmal Vollgas gaben. Denn längst hatte der tanzbare Kuba-Bayern-Mix die Hörer von den Sitzen geholt, die Rosenheimer tanzten und sangen begeistert mit. Musikalisch gab es viele schöne kleine und größere Höhepunkte und das eine oder andere feine und mit Extraapplaus belohnte Solo.
Sicher ist der Erfolg der Band auch der Tatsache einer hervorragenden musikalischen Ausbildung der Mitglieder zu verdanken. Mehrere Musiker haben ihr Fach studiert, manche sind selbst Musiklehrer und gleich mehrere Instrumente spielen eigentlich alle und wechseln flexibel vom Blasinstrument zur Percussion oder vom Bass zur Tuba und zurück. Im Vordergrund der Cubaboarischen stand aber auch diesmal wieder die feine Leistung als Ensemble.
Fortsetzung in
zwei Formationen
Für die Fans der Musikrichtung gab es noch die gute Nachricht, dass es in Zukunft in zwei Formationen weitergeht. Die „Gesetzteren“ unter den Fans werden sich vielleicht eher für die Variante erwärmen, die als „Cubaboarische traditional“ weitermacht. Hubert Meixners Sohn Leo hingegen tritt mit seiner Band „Cubavaria“ und moderneren Rhythmen in die Fußstapfen seines Vaters. Gute Musik und ebensolche Stimmung ist bei beiden Nachfolgeformationen sicher garantiert!