Haare waschen mit Mozart

von Redaktion

Neujahrskonzert der Münchener Symphoniker mit Max Müller im Kuko

Rosenheim – Wenn Max Müller in Rosenheim auftritt, hat er ein Heimspiel: Im Hauptberuf ist er ja der „Rosenheim Cop“ Michi Mohr. Auch deswegen wohl war die Rückwand des großen Saales im Kultur- und Kongress-Zentrum aufgemacht, um alle Zuhörer fassen zu können. Müller kam mit den Münchener Symphonikern für das beliebte Neujahrskonzert und war ein spitzbübisch-charmanter, humorvoller und kenntnisreicher Moderator und Sänger. Als Rosenheimer Cop seit nunmehr 17 Jahren („So was prägt!“, bekannte er) trank er eine ganze Mass Bier auf der Bühne aus und als Moderator versprach er für das Konzert mit Filmmusik „große Bilder, große Gefühle, großen Kitsch“. Als Sänger probierte er’s mal mit Gemütlichkeit in dem Bären-Song aus dem „Dschungelbuch“ und sang ein Potpourri aus „No-Oscar-Gewinner-Songs“, alles mit geschultem Bariton.

Unter der umsichtigen und kundigen Leitung des operettenerfahrenen Andreas Schüller spielten die Symphoniker in Großbesetzung opulent auf: Leise Melancholie herrschte bei der Musik zu „Der Pate“ und „Wagner’sche Leitmotivik“ – so verkündete Max Müller – in der Filmmusik zu „La Strada“, beides von Nino Rota, brodelnde Gefühlstiefe hörte man in der Musik zu „Doktor Schiwago“ von Maurice Jarre und Weite und Größe in der Musik zu „Jenseits von Afrika“ von John Barry. In diesem Film wäscht Robert Redford zu Mozart-Musik Meryl Streep mitten in Afrikas Landschaft die Haare – eine der erotischsten Szenen, die es gebe, sagte Max Müller. Die Musik dazu spielte seelenvoll Nikola Hartwich: das Adagio aus Mozarts Klarinettenkonzert.

Mit Henry Mancini ließ das Orchester den „Pink Panther“ schleichen und den „Moon River“ rauschen, mit Yann Tiersen die zauberhafte Amélie in Paris Walzer tanzen und mit Klaus Badelt den irren Jack Sparrow Schiffe versenken im „Fluch der Karibik“. Ist Liebe eine Himmelsmacht oder doch nur eine flackernde Illusion?, fragte Franz Grothe musikalisch mit dem Walzer in fis-Moll in dem Ufa-Film „Illusion“ aus dem Jahre 1941, in verschleierter Traurigkeit schön gespielt vom Orchester.

324-mal als Filmmusik sei die „Peer-Gynt-Suite“ von Edvard Grieg als Filmmusik verwendet worden, hatte Max Müller herausgefunden, und Musik von Johann Strauß sogar 963-mal. So tanzt in Stanley Kubricks „Odyssee 2000“ ein Raumschiff im All zu Strauß‘ „Donauwalzer“, den die Münchener Symphoniker in rauschhafter Fülle und mit genau der verzögerten – oder besser „verhatschten“ – Drei des Walzertaktes spielten. Auch ein Walzer hat in „Krieg und Frieden“ eine wichtige Rolle, nämlich der aus der Suite „Maskerade“ von Aram Chatschaturjan. Max Müller wollte scherzhaft den gesamten Inhalt des Filmes erzählen, wurde aber Gott sei Dank vom Dirigenten daran gehindert, der dafür in diesem Walzer den ganzen Pomp und die ganze Pracht eines Balles in St. Petersburg entfaltete.

Als Zugabe durfte der „Radetzkymarsch“ nicht fehlen, den die Musiker mit heißblütigem Temperament spielten und bei dem Schüller auch das klatschfreudige Publikum dirigierte.

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