Lyrik traf Klassik

von Redaktion

Eine Konzertlesung mit Sabine Rosenberg in der evangelischen Kirche in Prien

Prien – Die Liebhaber von klassischer Musik und von Poesie kamen bei der Veranstaltung „Lyrik trifft Klassik“ mit Sabine Rosenberg als Dichterin, den Musikern Götz von der Bey am Cello und Dr. Albert Schlosser am Klavier auf ihre Kosten. Die Zuhörer waren so berührt, dass oft vollständige Stille im Raum der evangelischen Kirche herrschte. Andächtig lauschten sie der Musik, die virtuos die Poesie unterstrich.

So setzte der Cellist Götz von der Bey mit Aaron Minskys Rock die notwendigen scharfe Akzente zu zwei Gedichten über den Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charly Hebdo“, die Sabine Rosenberg ergreifend vortrug. Mit Georg Goltermanns Capriccio drückt das Zusammenspiel von Klavier und Cello das Auf und Ab aus, das sie in zwei Gedichten über die Europäische Union beschreibt. Dabei rezitierte die Dichterin zuerst ein mehr als 40 Jahre altes Gedicht von Heinz Erhart und danach eines, das sie aktuell selbst verfasst hat – traurige Ironie, dass sich bei den Problemen der EU über die Jahrzehnte offenbar nicht viel verändert hat.

Klangvoll begann der zweite Teil des Abends mit Robert Schumanns romantischer „Träumerei“, passend zu Rosenbergs Gedicht „Januar am Chiemsee“, eines von zwölf Gedichten, die den Jahreskreislauf am See lyrisch abbilden.

Es folgten einige von Ludwig van Beethovens zwölf Variationen über ein Thema aus Händels Oratorium „Judas Maccabäus“. Sie zogen sich wie ein roter Faden durch die nächsten Gedichte, nämlich „Unterwelt“, „Du findest deinen Ton“ und „Abschied nehmen“. Diese Musik zauberte noch einmal die weihnachtliche Stimmung herbei und reflektierte wunderbar die Innigkeit und Tiefe der Texte. Höhepunkt bildete dabei das „Ave Maria“ von Franz Schubert, bei dessen Virtuosität sich Cello und Klavier gegenseitig übertrafen.

Sabine Rosenbergs Gedichte umfassen ein breites Spektrum. Sie zeigen eine tief denkende und sensibel reflektierende Dichterin. Intensiv setzt sie sich in ihrer Lyrik mit Ich-Suche und Selbstfindung, mit Spiritualität und Religion auseinander.

Besonders ausdrucksstark ist sie in ihren Gedichten über die Natur. Der Chiemgau mit seiner Schönheit ist ein wichtiges Thema für sie. Auch Stellungnahme zu politischen Fragen und Themen in diesen bewegten Zeiten sind ihr ein Anliegen.

Schade, dass an diesem Tag der eingesetzte Schneesturm vielleicht den einen oder anderen Besucher abgehalten hat, die Konzertlesung zu besuchen. Er oder sie hat etwas versäumt. re

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