Wasserburg – Zeitgenössische Arbeiten zum Thema „Frechheit“ zeigt derzeit die Mitgliederausstellung des Wasserburger Kunstvereins in der Galerie im Ganserhaus. Geboten wird ein bemerkenswertes Spektrum künstlerischer Positionen zu allem, was als frech, ungehörig, ungezogen und provozierend erlebt werden kann.
Wegen der Sonderausstellungen im Jubiläumsjahr 2018 wurde die sonst immer zum Jahresende stattfindende Mitgliederausstellung ins neue Jahr verschoben. Traditionell gibt die Wasserburger Künstlergemeinschaft für ihre Jahresausstellung immer das Thema vor. Diesmal steht der Begriff „Frechheit“ im Fokus. Ideengeberin war die in Soyen lebende Künstlerin Katharina Danninger. Deren Konzept umfasste neben linguistischen Betrachtungen auch die ganze Bandbreite zwischen Kunst, Kultur, Politik und Gesellschaft.
Der Begriff „Frechheit“ eröffnete dem Arbeitskreis ein riesiges Spielfeld für unterschiedlichste Assoziationen. Entsprechend vielseitig wurde Danningers Arbeitshypothese von den 78 einreichenden Künstlerinnen und Künstlern interpretiert. Je nach Sichtweise und Prägung wurde „Frechheit“ als Mut oder auch Unverschämtheit verstanden. Gleich mehrfach diente Reizfigur Donald Trump als Inbegriff für die personifizierte „Frechheit“. Ulrike Blumberg aus Rott am Inn zeigt in ihrer der Arbeit „I Do What I Want“ den bislang wohl umstrittensten US-Präsidenten als kindlich naiven Baumeister. Der übt mit Klötzchen schon einmal den Bau seiner Mauer an der Grenze zu Mexiko.
Wenig schmeichelhaft ist auch das zweite Bild „The Broken Donald“ von Anne Meindl. Sie porträtiert Trump als unberechenbare Persönlichkeit in kubistischer Auflösung. Eingebettet hat die Künstlerin ihr Profilbild in einem abgeschrammten, einst goldenen Barockrahmen, dessen beste Tage längst vorbei sind. Was beiden Bildern gemeinsam ist: Trumps seltsam zurechtgeklebte Haartracht, die eher wie ein prolliger Spoiler wirkt als eine normale Frisur.
Frechheit als Charaktereigenschaft lässt sich aber auch durchaus positiv besetzen und kann sogar liebenswürdig sein. Die Traunsteiner Künstlerin Martina Alexandra Wagner-Al Yassin bringt es in ihrer Arbeit „Momente II“ zum Ausdruck. Sie zeigt ein ansprechendes, lustiges Porträt von Pippi Langstrumpf. Astrid Lindgrens berühmteste Figur vereint in dem ansonsten monochromen, fotorealistischen Bild Sympathie und Selbstbewusstsein. Durch die roten Haare mit den abstehenden Zöpfen aber wirkt Pippi erst so richtig frech.
Provokant, witzig und mit einem Hauch voyeuristischer Erotik hat Gabriele Granzer mit dem Objektkasten „Homegrown“ das Ausstellungsthema umgesetzt. Die in Wasserburg lebende Künstlerin modellierte unter einen Glassturz zwei weibliche Brüste, die aus einem Kunstrasen mit Margariten hervorwachsen.
„Frechheit siegt“ dachte sich bestimmt auch Max Windholz mit seiner Kunstzerstörungsmaschine „Do It Your Self Banksy“, eigentlich gedacht für das Auswalzen von Nudelteig, aber auch durchaus tauglich, um Bilder zu zerschneiden. Zwar wurde die Idee von „Banksy“ abgekupfert; aber auch eine Idee zu klauen, ist frech genug. „Banksy“, dessen Identität bis heute unbekannt ist, sorgte zuletzt im Oktober 2018 für großes Aufsehen. Gerade als sein Bild „Girl With Balloon“ bei einer Sotheby’s-Auktion in London für über eine Million Pfund einen Käufer gefunden hatte, zerstörte es sich selbst. Banksy hatte im Bilderrahmen einen versteckten Schredder eingebaut, der sich beim Zuschlag aktivierte.
Insgesamt betrachtet begegnet den Ausstellungsbesuchern eine Fülle kreativer und ansprechender Ideen, die zumeist auch hochprofessionell umgesetzt wurden. Mal erscheint der Bezug zum Thema „Frechheit“ eher subtil, dann wird er wieder überdeutlich. Unterhaltsam aber ist die Ausstellung in jedem Fall.