Prien – Über 600 Besucher lockte Günter Grünwald in den König-Ludwig-Saal. Oder heißt dieser vielleicht Kaiser-Wilhelm-Saal oder doch Fürst-Pückler-Hütte? Grünwald war sich da nicht so sicher. Auch nicht, was den Titel „Deppenmagnet“ seines Programms betrifft. Die Vermutung, dass er dabei Deppen anzieht, entschärfte er zugunsten des Publikums. Vielmehr meinte er seine Fans in der Fußgängerzone seiner Heimatstadt Ingolstadt. Dort werde er als Star gefeiert, was er so gar nicht verstehen könne.
Unklar ist auch, ob es sich bei ihm um Kabarett oder Comedy handelt. Oder gar um absurdes Theater? Ginge es in seinem Programm um bildende Kunst, würde man es am ehesten als Surrealismus bezeichnen. Grünwald bringt ganz Profanes ad absurdum und völlig surreale Übertreibungen bis zur Unkenntlichkeit.
Unter die Gürtellinie ging er in Prien jedoch nicht. Er beleuchtete beispielsweise Themen wie „Tätowieren“ ziemlich schräg. Da ätzt ihm ein rumänischer Fliesenleger anstatt „Born to
lose“ fälschlicherweise „Born in Toulouse“ auf den Rücken.
Sein komödiantisches Talent bewies Grünwald vor allem in der Baumarkt-Geschichte. Da kauft er einen Kolben, der wahre Wunder bewirkt. Er reinigt nicht nur verstopfte Abflüsse bis zum Erdmittelpunkt, sondern rettet mit seinem Gerät auch einen Freund, der wegen einer verschluckten Gräte zu ersticken droht. Drastisch schildert Grünwald, was bei seinem beherzten Eingriff so alles aus diesem Mann herauskommt. Na ja, so genau wollten es die Priener Zuschauer eigentlich gar nicht wissen!
Absurd sind Grünwalds Geschichten allesamt. Zumeist beginnen sie ganz realistisch und harmlos, doch bald werden sie irreal und absurd. So sei Grünwalds Karriere als Komiker zunächst an seiner umwerfenden Schönheit gescheitert, wie er dem Publikum erklärte. Einem Schönheitschirurgen sei es schließlich gelungen, Schritt für Schritt, den Patienten von seiner Vollkommenheit zu erlösen: Weg mit den Muskeln, weg mit dem Waschbrettbauch und weg mit 20 Zentimetern des Penis.
Das Komikerleben kann beginnen. Und es läuft bei Günter Grünwald seit 34 Jahren recht erfolgreich. „Ich bin ein Mensch von einem fiesen Humor“, sagt er von sich selbst. Den Zuschauern scheint dies zu gefallen. Im Gegensatz zu anderen Kabarettisten will Grünwald nur unterhalten. Er erhebt keinen Anspruch auf Tiefsinnigkeit und Hintergründigkeit. Und er wird niemals politisch. Wenn er sich über etwas lustig macht, dann über sich selbst. So gestaltet er seinen Abgang von der Bühne anders als Kabarett-Kollegen. Er verzichtet auf Rufe nach Zugaben und präsentiert freiwillig noch ein paar abstruse Geschichten. Das Publikum fand es toll und dankte mit einem Riesenapplaus.