Zwischen Himmel und KZ-Baracke

von Redaktion

Fesselnde Premiere von „Synchronisation in Birkenwald“ im Kulturzentrum Mosaik

Bad Aibling – Mit dem Theaterstück „Synchronisation in Birkenwald“ des 1997 verstorbenen österreichischen Psychiaters Viktor E. Frankl hat die Schauspielgruppe „Lose Theater-Gruppe Mosaik“ im Rahmen der Max-Mannheimer-Kulturtage ein Werk auf die Bühne gebracht, das den Zuschauer bis zur letzten Minute fesselt. Frankl, der als Einziger seiner Familie die Zeit im Konzentrationslager überlebt hat, fasst in seinem Drama das dort Erlebte, Beobachtete und Reflektierte zusammen.

In einer metaphysischen Konferenz treffen im Himmel die drei Philosophen Spinoza (Max Kellenberger), Sokrates (Alex Kuk) und Kant (Stephanie Loaker) aufeinander. Sokrates beschwert sich darüber, dass die Menschen die Moral verloren hätten. Nur mit Hilfe der Kunst, nämlich einer realen oder real erscheinenden Geschichte, lasse sich laut Sokrates der Mensch noch beeinflussen.

Drei Philosophen beobachten

Das Bild aus der Hölle, in dem die Menschen ihre Menschlichkeit zeigen sollen, ist das KZ Birkenwald. Die Philosophen, die das Geschehen im KZ immer wieder kommentieren, tun so, als ob sie Schauspieler wären, obwohl sie eigentlich die Zuschauer spielen werden.

Abgetrennt von den geschickt auf einer Holztreppe diskutierenden Philosophen findet auf der linken Bühnenhälfte das Geschehen in der KZ-Lagerbaracke statt. Franz (Andi Gorzel) ist im Konzentrationslager, obwohl er noch nach Amerika hätte auswandern können. Sein Bruder Karl (Constanze Kronast) wird gefoltert, weil er den Tausch mit der Häftlingsnummer nicht gesteht. Die verstorbene Mutter (Mira Struckmeier) der beiden Brüder ist bereits im Himmel bei den Philosophen. Da sie ihre Söhne bei sich haben will, wird ein schwarzer Engel (Dominik Kirschner) auf die Erde geschickt, der im Lager als SS-Unterscharführer die Häftlinge quält.

Die Protagonisten spielten ihre Rollen beklemmend eindringlich. Während Franz das Publikum mit seinen von Selbstzweifeln geprägten inneren Monologen aufwühlte, verkörperte Karl den stoischen Bruder, der mutig und gelassen seinen Weg geht. Spannend war der Disput zwischen Franz und Mithäftling Paul (Nic Herger) über eine spätere gerechte Bestrafung der Täter. Die Menschen auf der Erde können die im Himmel nicht hören. So sind sie ohne Rat auf sich selbst gestellt. Ihr Gewissen aber hilft ihnen, dem Leben einen Sinn zu geben, sich zu bewähren und ihre Aufgabe zu erfüllen.

Die Musik mit der eintö nig-leisen Melodie der „Moorsoldaten“ als Eingangsthema und Takten aus der Sinfonie in h-Moll von Franz Schubert war passend ausgesucht, ebenso die Kleidung der Häftlinge und der Philosophen, die die Mode ihrer Zeit trugen. Nur der Unterscharführer hatte anstelle einer SS- eine Wehrmachtsuniform an. Das Schachspiel auf dem Treppenboden zeigte sinnbildlich, dass die Menschen auf der Erde Figuren sind, die von den Philosophen hin- und her geschoben werden.

Das Premierenpublikum spendete der packenden Aufführung der gesamten Schauspieltruppe am Ende anhaltenden und verdienten Applaus.

Weitere Termine

Aufführungen sind am 8. und 9. Februar sowie am 15. und 16. Februar, jeweils um 20 Uhr im Kulturzentrum Mosaik in Bad Aibling. Kartenreservierungen unter info@muttutgut.org und Telefon 0179/7325938. Kartenvorverkauf bei Svea’s Allerlei, Rosenheimer Straße 11, Bad Aibling.

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