Rosenheim – Wie bahnt man Kindern einen Weg zur klassischen Musik? Die Stücke müssen kurz und prägnant sein, attraktive Ohrwürmer sind günstig – und wenn die Musikhäppchen auch noch mit einer spannenden und farbigen Geschichte verknüpft sind, dann hat man ein animiertes und aufmerksames junges Publikum! Der Hans-Fischer-Saal im Künstlerhof war jedenfalls proppenvoll, als das Ensemble „Klassik junior“ sein neues Programm vorstellte:
Bei der Suche nach den rätselhaft verschlüsselten Zutaten eines scheinbar verschollenen Geheimrezepts macht Rico, der Urenkel von Rudi Radetzky, dem verstorbenen Erfinder der heißbegehrten Torte und Begründer des „Café Radetzky“, eine virtuelle Reise durch elf Länder. Natürlich ist es erfreulich, wenn auch dem Publikum zum Schluss das Rezept der legendären Torte verraten wird, aber der eigentliche Clou sind selbstverständlich die für die Klassik-junior-Truppe arrangierten Klassik-Hits.
Wieder erdachte Yume Hanusch die Geschichte, bearbeitete die Werke zu duftig durchsichtigen und farbig sprühenden Gebilden und spielte auf dem Flügel. Diesmal allerdings nicht allein; wegen eines Knochenbruchs ist derzeit nur ihre rechte Hand einsatzfähig, und so sprang Mutter Toshiko Yasuda-Brommer als ebenfalls professionelle Pianistin in die Bresche und stellte ihre linke Hand zur Verfügung.
Eine leckere Speise wird auch mit dem Auge verschlungen – ebenso hört das Kinderauge mit. Folglich ist die Mitwirkung der Künstlerin Katja Lichtenauer ein großes Plus. Ihre farbenfrohen Bildprojektionen illustrieren die Handlung nicht nur minutiös, sondern verbreiten überhaupt gute Laune und eine heitere Stimmung.
Der Erzähler Max Dietrich sorgte dafür, dass der Plot plastisch rüberkam und auch die Kleinsten an den richtigen Stellen lachen konnten.
Alice Guinet entlockte ihrer Flöte beschwingt-perlende Farbtupfer und federleichte Melodien, Birgit Saßmannshaus demonstrierte, dass ein Cello nicht nur im tiefen Baß grummeln, sondern auch in luftiger Höhe sehr ausdrucksvoll glänzen kann. Dr. Peter Hanusch, Geiger aus Leidenschaft, ließ seine Violine mit Charme und Schmelz erklingen.
Die Meisterin der Percussion, Christine Krebs, verfügte über eine enorme Bandbreite von knarrenden, klingelnden, krachenden und schabenden Klangfarben, und als Edith Piaf und Frankreich angesagt waren, lieferte die vielseitige Musikerin das Lokalkolorit mit dem melancholisch schmachtenden Sound des Akkordeons.
Wolfgang Amadeus Mozart ist natürlich kein Türke, auch wenn er den wohl berühmtesten „Türkischen Marsch“ aller Zeiten komponiert hat. Silberhell sprudelte Friedrich Smetanas „Moldau“, während Johann Straußens „An der schönen blauen Donau“ Frösche und Enten witzig im Walzertakt bequakten. Johann Strauß senior steuerte seinen Radetzky-Marsch zum triumphalen Schluss-Tableau bei: Ende gut, alles gut! Der russische „Trepak“ mit zündendem Rhythmus bot sich für eine rasante Body-Percussion an. Groß und Klein bearbeitete taktfest den eigenen Körper. Und als dann, passend zum Ungarischen Tanz von Johannes Brahms, die Zutaten für die Radetzky-Torte vom Publikum rhythmisch skandiert wurden, war klar, dass das Konzept von „Klassik junior“ wieder ins Schwarze getroffen hat!
Werden die Kinder nun ihre Mamis damit nerven, sie sollten unbedingt „Rudis weltbeste Radetzky-Torte“ nachbacken? Mögen sie aber auch weiterhin viel Spaß an Mozart und Co. haben!