Mythische Klänge

von Redaktion

20 Jahre Brannenburger Kirchenkonzerte Chris Gall und Mulo Francel im Duett

Brannenburg – Dass zwei solche Hochkaräter wie Chris Gall und Mulo Francel für das Jubiläumskonzert zugesagt hatten, passte wunderbar zu der von Heidi Ilgenfritz vor genau 20 Jahren ins Leben gerufenen Veranstaltungsreihe „Brannenburger Kirchenkonzerte“. Was zunächst mit bis zu fünf Veranstaltungen im Jahr in loser Folge begann, hat sich zu einem jährlich im Voraus publizierten Veranstaltungsprogramm entwickelt. Insgesamt waren es in den 20 Jahren 200 Konzerte. In einem launigen Einführungsgespräch mit der Gründerin der Reihe blickte Pfarrer Thomas Löffler auf einige Anekdoten und Höhepunkte aus zwei Jahrzehnten zurück, bevor die beiden Protagonisten an Flügel und Saxofon vorgestellt wurden und die ersten Töne des unter dem Motto „Mythos“ stehenden Konzerts in der voll besetzten Kirche erklangen.

Die sehr feinsinnig ausgewählten Stücke waren eine gelungene Mischung aus klassischen Jazz-Standards, wovon die ältesten (Old Folks) aus den 30er-Jahren stammten und so klangvolle Namen wie Dave Brubek („Your Own Sweet Way“), Antonio Carlos Jobim („Wave“) oder den viel zu früh bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Tango-Komponisten Carlos Gardel („El dia que me querias“) umfassten, und Eigenkompositionen der beiden Solisten. Chris Gall gelang es dabei stets, am Flügel einen Klangteppich zu weben, der Mulo Francel eine fast orchestrale Grundlage für seine sensiblen und klar formulierten Passagen am Saxofon und an der Bassklarinette bot.

Unter dem Thema „Mythos“ stachen die Kompositionen „Ikarus“, „Palinuro“ und „East of the Sun“ hervor, hatten sie doch in der griechischen Sagenwelt und persönlichen Erlebnissen Mulo Francels in der Ägäis ihren Ausgangspunkt. Dabei wurden die Zuhörer scheinbar mühelos in die von der Sonne durchfluteten Landschaften des glitzernden Mittelmeeres entführt. Auch das von Chris Galls Trio-Formation bestens bekannte Stück „York’s Guitar“ entwickelte im konzertanten Duo mit dem Saxofon seine eigene, exzellent abgestimmte Dynamik.

Etwas Besonderes schufen Chris Gall und Mulo Francel mit der Verschmelzung zweier eigener Stücke zu einer gemeinsamen Komposition, die den Titel „Die 7 Weisen“ trägt und mit dem Sieben-Achtel-Takt die eine Hälfte der Bedeutung und der aktuellen Situation von Umweltproblematik und Klimaforschung ihre andere Hälfte bezieht. Wie hier der Pianist den schwierigen Rhythmus so durchgängig als Basis legte, damit das Saxofon darauf die Melodie spielen konnte, zeigte die absolute Klasse dieser beiden Ausnahmemusiker.

Mit einem Augenzwinkern widmeten die inzwischen international renommierten Künstler die Zugaben zwei „mythischen“ Personen der lokalen Szene im Raum Rosenheim, die ihnen den Weg in den Jazz geebnet hatten: zum einen der langjährigen Betreiberin des Jazzlokals „Le Pirate“, Petra Rose, und zum anderen Chris Galls Vater Heinrich, der Mulo Francel zur Aiblinger Big Band geholt hatte, wo ihm dann auch das Notenlesen beigebracht wurde.

Für die Brannenburger Kirchenkonzerte war dieses Jubiläumskonzert ein würdiger Höhepunkt, und dass diese Veranstaltungsreihe unter den derzeitigen Bedingungen, nämlich bei freiem Eintritt, weitergeführt wird, daran ließ die Organisatorin Heidi Ilgenfritz in ihrem Schlusswort und Dank an die Musiker keinen Zweifel.

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