Kolbermoor – „Jetzt bin i überrascht. Hab‘ gar ned mit so viel Leut‘ gerechnet.“ Fast ein wenig verlegen begrüßte Michael Fitz sein Fanpublikum im gut besuchten Mareissaal. Sein Programm „Jetzt auf gestern“ sei selbsterklärend und benötige keine Vorbereitung. Tatsächlich präsentierte der smarte Liedermacher in seinen Texten aktuelle Themen wie etwa die Auswirkungen der Digitalisierung und den Wahn der Selbstoptimierung.
Zart und leise glitzerten die Gitarrenakkorde zum Lied „Was i bin“, in dem Fitz mit sanfter Stimme auf Bairisch von der Suche nach dem passenden Partner sang. Fetzig begleitete er das Lied „Hinterm Zaun“, das von Angst handelt, den anderen nicht mehr zu finden.
Der Mensch, ein „scheues, vorsichtiges Tier“, hat laut Fitz einen Vorteil, nämlich die Wahl, sich zu entscheiden. Ständig müsse er aber Widersprüche aushalten, etwa dann, wenn ein Banker im Beratungsgespräch absurderweise vom „kalkulierbaren Risiko“ spreche. Mit dem Lied „I geh ned aufs Eis“ führte er dem Hörer die oft übertriebenen Ängste vor dem Ungewissen, Unsicheren vor Augen.
Fitz, der sich als Schulabbrecher outete, hatte da die Sympathien des Publikums gleich auf seiner Seite. Im neuen postfaktischen Zeitalter benötige es Selbstbewusstsein und gesunden Menschenverstand. Wenn man heute einen Mangel habe, könne man sogar Präsident werden, stellte Fitz mit Blick auf die USA fest.
„Wir Menschen haben immer was zu bewältigen“, erklärte der Liedermacher augenzwinkernd. In einer Beziehung, die „eigentlich was Schönes“ sei, suche man Zärtlichkeit und Zuwendung. Eine Beziehung sei zwar auch ein „Knochenjob“, aber immerhin mit dem für Männer tröstlichen Resultat: „Dann bist weg von der Straße!“.
Fitzs oft leise gesungenen poetischen Texte waren zwar nicht immer leicht verständlich, seine einfühlsame sympathische Stimme und die rhythmische Melodik der Lieder schufen gleichwohl eine wohltuende Atmosphäre. Dass die Zeit laut Fitz dehnbar sei wie ein Gummi, konnte man an diesem kurzweiligen Abend nicht empfinden. Mehrere Zugaben, darunter das Lied „Hinter meiner Stirn“, sorgten beim Publikum für kräftigen Applaus, den Fitz noch mit einer Moritat belohnte.