Rosenheim – Mitten in eine Radiosendung kam man an als Besucher der Stadtbibliothek. Dort moderierte André Hartmann durch das von „Millionen von Hörerinnen und Hörern“ mitgestaltete Programm „Radioaktiv“. Hartmann setzte sich als Moderator selbst ans Piano und griff sofort die vielen Musikvorschläge auf. So wünschte sich Bernhard aus Rosenheim zu Beginn den „kleinen grünen Kaktus“, der nicht nur in der Version der Comedian Harmonists erklang, sondern zusätzlich in der Variante von Max Raabe.
Auf „Leitung elf“ wurde „Über sieben Brücken“ vorgeschlagen: Einfach nachsingen wäre ja simpel, daher schlüpfte Hartmann zunächst in die Rolle von Rudi Carell und entzückte das Publikum mit niederländischem Zungenschlag – und setzte noch eins drauf, nämlich die dem Ganzen zugrundeliegende Mozart-Originalversion. In diesem hochunterhaltsamen Stil ging es munter weiter mit vielen „Anrufen“: Eine „Sandy aus Chicago“ wünschte sich den Soul-Klassiker „Ain’t no sunshine“, den Hartmann in Holländisch, Französisch und Türkisch interpretierte – große Klasse! „Don’t worry be happy“, wurden nach Anruf eines im Stau stehenden Max auf Bach-Kantaten zurückgeführt. Zwischendurch kamen zufällig anwesende Promis zu Wort, beispielsweise als „Moskau“ von Dschingis Khan gewünscht wurde. Das kräftige Lachen von Ex-Kanzler Gerhard Schröder – Hartmann doubelte Schröder mehrfach am „Nockherberg“ – erklang im Raum, garniert mit dem Kommentar „Dschingis Khan ist die kleine Schwester von Oliver Kahn“.
Der im hohen Norden – nämlich des Starnberger Sees – geborene Musiker und Kabarettist nahm die Bibliotheksgäste mit auf einen vergnüglich improvisierten Streifzug durch die populäre Musik und deren angeblich klassische Vorlagen. Für eine Resi gab es von Abba „Money, Money, Money“ mit einigen Seitenhieben auf Inge Meysel, die angeblich mit einem „Manni“ liiert war, abgeschlossen mit einer Bach-Toccata und einem Ragtime von Scott Joplin – vogelwild ! Hartmann konstatierte, dass ihm allmählich die vielen Stimmen zu Kopfe stiegen, so die von Franz Josef Strauß, nach dem Motto „je kürzer der Hals, desto länger die Amtszeit“.
Großes Kino gab es, als Hartmann mit kürzer werdender Sendezeit immer mehrere Musiknummern kombinierte. So lautete die Kombi-Version von „Biene Maja“ und Konstantin Wecker: „Gestern hat die Maja den Willy derschlagn“ und Wum und Wendelin durften den „Griechischen Wein“ intonieren. Auch der Münchner Ex-Oberbürgermeister Christian Ude kam noch zu einem kurzen Gastauftritt.
Beim Musikkabarettisten blitzte immer mal der am Puls der Zeit agierende Politkabarettist durch, wenn er etwa dazu aufrief, die Stimmen der Automobilindustrie oder vielmehr den „Karrenbauern“ zu geben. In den Zugaben trafen noch „Für Dich solls rote Rosen regnen“ nach Drücken der „Ö-Taste“ am Mikrophon auf das unverwüstliche „Schifoan“, und „Reimhard“ Meys „Über den Wolken“ durfte sich zum „Yellow Submarine“ gesellen, in einem Song wohlgemerkt. Hartmann gestaltete mit Hilfe gut aufgelegter Gäste einen charmant und mit hoher Improvisationskunst angereicherten Musikabend und erntete begeisterten Applaus.