Kostümfeuerwerk im Kuko

von Redaktion

„Der Zigeunerbaron“ besticht mit schönen Stimmen und Liebe zum Detail

Rosenheim – Erneut hat dieJohann-Strauß-Operette Wien bei ihrem Gastspiel in Rosenheim mit ihrer Liebe zum Detail, ihren fantastischen, zeitgetreuen Kostümen, ihren vielfältigen Bühnenbildern, einem hochqualifizierten Orchester und Ballett, besonders aber durch die bewegenden Stimmen ihrer Solisten und einem mitreißenden Chor die Besucher im Kuko begeistert.

„Der Zigeunerbaron“, eine Operette in drei Akten von Johann Strauß Sohn, 1885 in Wien uraufgeführt, nimmt in der Inszenierung von Andrea Schwarz und unter der musikalischen Leitung von Petra Giacalone und Dirigent Vasilis Tsiatsianis das Publikum mit auf eine Zeitreise ins Wien zur Zeit Maria Theresias, nach der Vertreibung der Türken und den siegreichen Husaren im Krieg gegen Spanien. Eine Zeitreise, die zwar durch Kleidung und Sprache deutlich wird, doch hinsichtlich ihrer gesellschaftspolitischen Thematik nichts an Brisanz verloren hat. Ausgrenzung, Vorurteile, Misstrauen gegenüber Minderheiten sind aktuell und überall spürbar.

Bis heute sind „Zigeuner“ eine Randgruppe der Gesellschaft, denen „Treu und Ehr“ abgesprochen wird. Doch im „Zigeunerbaron“ sind sie die einzigen, die ihrem Herrn während seines Exils die Treue halten, das Land beackern und ihn mit offenen Armen empfangen und ihm huldigen.

Als der Krieg mit den Türken vorbei ist und verbannte Exilanten begnadigt werden, soll der Sohn des Grundbesitzers Barinkay nach Willen der Majestät das Land seines Vaters zurück erhalten. Der betagte Sittenwächter Conte Carnero (Josef Pechhacker) wird von Graf Homonay (Heinrich Schopf) beauftragt, Sándor Barinkay (Giorgio Valenta) aufzuspüren, um ihm sein Erbe zu übergeben. Gar nicht begeistert von dem neuen Nachbarn ist der pfiffige „Schweinefürst“ Zsupán (Martin Ganthaler), der zwar des Schreibens nicht mächtig ist, wie er in der bekannten Arie „Ja das Schreiben und das Lesen“ humorvoll betont, dennoch gemeinsam mit der Wahrsagerin Czipra (Maida Karisik) die Beglaubigungsurkunde unterzeichnen muss. Um Nachbarschaftsstreitigkeiten zu vermeiden, will Sándor die Tochter des Schweinezüchters heiraten. Doch Arsena (Anita Tauber) kann dieser Idee nur wenig abgewinnen, zumal sie heimlich mit Ottokar (Eggert R. Kjartasson), dem Sohn ihrer Erzieherin Mirabella (Adrienne Lang) verbandelt ist. Als Sándor jedoch die Ziehtochter von Czipra sieht, verliebt er sich in das betörende Zigeunermädchen Saffi (Sevana Salmasi) mit der großartigen Stimme. Die herausragende Sopranistin betört jedoch nicht nur den Zigeunerbaron, sondern auch das Publikum – unter anderem mit ihrem beeindruckenden Zigeunerlied „So elend und so treu“.

Bekannte Melodien und Lieder wie der „Schatzwalzer“ ließen die Zuschauer mitwippen und mitsummen. Episoden wie die Rekrutierung der Husarenkompanie oder das Duett „Wer uns getraut“ zeigten die humorvolle Seite der überaus unterhaltsamen Operette, deren Inszenierung mit viel Applaus vom Publikum bedacht wurde. Lob an den Bühnenmeister und die Kostümbildner für die opulente Ausstattung, was gerade bei Tourneetheaterveranstaltungen nicht selbstverständlich ist. Hier macht sich wohl die über 70-jährige Erfahrung der Johann-Strauß-Operette bemerkbar. Zum „traurigen Finale“ verkündete Conte Carnero mit einem Augenzwinkern: „Wir kommen wieder – am 9. Februar 2020 mit der Gräfin Mariza.

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