Rosenheim – Gut besucht war die Matinee des Tonkünstlerverbandes Südostbayern im Rosenheimer Künstlerhof. Zwar ist eine „Matinee“ eine Vormittagsveranstaltung, gespielt wurde diesmal aber Serenadenmusik, also eher abendliche Musik. Im Wort „Serenade“ steckt jedoch neben dem italienischen „sera“ für Abend auch das Wort „sereno“, das heißt: heiter. Heitere Abendmusik am Vormittag, passend zum lichtdurchfluteten Saal.
Auf dem Programm standen Flötenquartette von Mozart bis Anton Reicha. Dieser wollte in seinen Quartetten der Flöte die Dominanz nehmen, deren Klang einbetten in den Gesamtklang von Flöte und Streichern. Genau das taten die vier Musikerinnen mit ihren historischen beziehungsweise historisch gebauten oder rückgebauten Instrumenten: Nie drängte sich Christiane Kneer mit ihrer ein- und dann mehrklappigen Traversflöte nach vorne, sondern wob den dunkeltönenden Klang ihrer Instrumente fein in den Klangteppich der Streicher ein, die ebenfalls einen etwas bronzierten Klang favorisierten. Energisch brachte sich die Cellistin Katarina Schmidt ein, selbst wenn sie zupfte oder mit Liegetönen begleitete, waren dies wichtige Stützen des Gesamtklangs. Und auch Theona Gubba-Chkheidze an der Geige und Christina Sontheim an der Viola sorgten für wohlgeformte und feinziselierte Phrasen vollen Wohlklangs: Harmonie herrschte allenthalben, also Einklang, Eintracht, Ebenmaß.
In spielerisch tanzendem Rhythmus hüpfte das Quartett D-Dur KV 285 von Mozart mit dem wunderschönen Adagio, von dem Mozartforscher Alfred Einstein schwärmte, es sei „vielleicht das schönste begleitete Solo, das je für Flöte geschrieben worden ist“. Geradezu samten-wohlig zupften die Streicher da ihre Begleitung.
Als „Hintergrundmusik“ zu Festessen sei wohl das Divertimento G-Dur op. 5 von Haydn gedacht gewesen, sagte Christiane Kneer bei der Ankündigung – und animierend, ja durchaus speichelflussfördernd ist diese heitere Serenadenmusik mit einem Menuett, das den Rokoko-Zopf gleichsam ironisch trägt. Da war’s gerade halb zwölf, also schon Zeit, ans Essen zu denken.
Am einfallsreichsten, sprudelndsten und phantasievollsten erwies sich das Quatuor op. 98 No. II von Anton Reicha (1770-1836): Im Kopfsatz formten die vier Musikerinnen plastisch die scheinbar unendlich vielen Variationen zu dem einfach-kurzen Thema, das darauffolgende Allegro ließen sie so blühend singen, dass Zwischenapplaus aufbrandete, die Aria spielten sie einfach nur schön und endeten temperamentvoll mit dem rauschenden Finale. Keine Zugabe, nur glückliche Mienen bei den Zuhörern.