Wenn zwei sich streiten

von Redaktion

Das Schauspielhaus Salzburg belebt mit „Sonny Boys“ das Vereinshaus Traunstein

Traunstein – Soll mal einer behaupten Frauen seien zickig. Wenn sie streiten gibt’s Zickenkrieg, gekränkte Eitelkeiten, viel Gekreische mit allerlei Boshaftigkeit im Nachgang. Das Publikum des Vereinshauses Traunstein durfte sich in Neil Simons Komödien-Klassiker „Sonny Boys“ davon überzeugen, dass es auch männliche Zicken gibt, also Böcke. Und zwar richtig sture. Darüber lachen, wie sich das in die Jahre gekommene Komiker-Duo „Lewis und Clark – die Sonny Boys“ ihre Gemeinheiten um die Ohren schlugen, konnte dann aber Männlein wie Weiblein – eben das Publikum.

Auf der Bühne standen Schauspieler des Schauspielhauses Salzburg und das sei, wie Erster Vorstand des Vereinshauses Traunstein, Konrad Baur, bei seiner kurzen Begrüßung verriet, der Zweiten Vorstandsdame, Julia Bauer, zu verdanken. Es sei ihr Wunsch gewesen, neben Konzertveranstaltungen auch professionelles Schauspiel auf die bestens dafür geeignete Bühne zu holen. Ein Wunsch, den sie offenbar mit vielen teilte, denn die Besucherzahl war sehr erfreulich.

Ähnlich verhielt es sich mit den Interessen des Schauspielhauses Salzburg, das die Kooperation mit dem Vereinshaus Traunstein von Anbeginn, wie es Intendant Robert Pienz vor Aufführungsbeginn ausdrückte, als einen „Besuch bei Freunden“ erlebte. Von dem Ergebnis durften dann alle profitieren: Publikum, Schauspieler und das Vereinshaus, denn die gelöste Stimmung bescherte allen einen genussvollen Theaterabend, dem, so Pienz, in Zukunft noch weitere folgen würden.

Der Broadway-Komödienklassiker Sonny Boys dürfte vielen noch aus der Verfilmung im Jahr 1995 mit Walter Matthau und George Burns in den Hauptrollen in Erinnerung sein. Um zu streiten, was das Zeug hält, schlüpften die langjährigen Ensemblemitglieder des Schauspielhauses Salzburg, Marcus Marotte und Olaf Salzer, in die Rollen von Willie Clark und Al Lewis. Als Neffe und Willies Agent stand Bülent Özdil auf der Bühne: maximal genervt – zwischen Wutanfall und hypochondrischer Herzattacke. In der Rolle der genervten Krankenschwester kassierte Christiane Warnecke als Schwester-Rabiata-Verschnitt mit unverfrorener Kaltschnäuzigkeit etliche Lacher.

Zur Story: Einst waren Lewis und Clark das erfolgreichste Komiker-Duo ihrer Zeit. Doch das liegt ganze elf Jahre zurück. Elf Jahre, in denen Willie den Hass zu dem Menschen, der über 33 Jahre sein Bühnenpartner war, Tag für Tag züchtet. Nach einem unsinnigen Streit fanden die beiden einfach nicht mehr zueinander, sodass Al die Reißleine zog und „Schluss machte“. „Als er sich zur Ruhe setzte, setzte er auch mich zur Ruhe“, stellt Willie rückblickend klar. Seither langweilt sich Al auf der Veranda seiner Tochter in New Jersey, während sich Willie immer mehr dem Selbstmitleid hingibt und in seinem heruntergekommenen Appartement in New York vergeblich auf neue Engagements hofft. „Ich bin glücklich, ich sehe nur unglücklich aus“, motzt er, als Neffe Ben ihn nicht ganz uneigennützig bittet, den Streit beizulegen, und anlässlich einer Fernseh-Jubiläumsshow über die große Zeit des Varietés noch einmal die alten Sketche zu spielen.

Ben fährt alle Geschütze auf, um die beiden Grantler zusammenzubringen, die ja prinzipiell selbst nichts anderes wollen, sich aber mit gekränktem Stolz selbst ein Bein stellen. Das erste Treffen endet in einer Katastrophe: Wie ein altes Ehepaar machen die zwei Dickschädel genau dort weiter, wo sie damals aufhörten. Der Probenversuch wird zur schrägen Lachnummer. Das Vereinshaus-Publikum lachte Tränen und es kam ärger und ärger. Es wird dreckige Wäsche gewaschen, sich gegenseitig provoziert, es regnet gnadenlose Vorhaltungen, bis schließlich Willie zum Messer greift. Resigniert flüchtet Ben vom „Irren-Tatort“, an dem sich die beiden Komödianten weitere Gefechte liefern.

Mittendrin fragt sich das Publikum, ob das, was sich da auf der Bühne abspielt, wirklich nur gespielt ist oder nicht längst zu bitter entgleistem Ernst wurde. Rasante Wortgefechte, „Texthänger“ und falsche Absprachen in einem wahnwitzigen Doktor-Sketch, der vor laufender Kamera in einen weiteren handfesten Streit übergeht, münden in einen Herzinfarkt, der Willie endgültig lahmlegt.

Und das Ende? Heißt es nicht immer, was sich liebt, das neckt sich? „Du bist wirklich witzig“, gesteht Willie. „Weißt du was das Problem ist? Du hast meine Witze ernst genommen“, entschuldigt sich Al. Am Ende ist es ruhig auf der Bühne und im Saal. Friede. Hoffnung. Einsicht? Wie, ob und wo es für Willie und Al weitergeht, soll nicht verraten werden. Denn die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben selbst.

Großes Theater. Riesen Applaus!

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