Bilderwelten aus Fernost

von Redaktion

Ölmalerei aus Japan ist noch bis 31. März in der Galerie im Ganserhaus zu sehen

Wasserburg – Zeitgenössische Kunst von Kiyoshi Shiraishi präsentiert derzeit die aktuelle Ausstellung „Synthese“ im Ganserhaus. Die Arbeiten des Tokioter Künstlers vereinen den philosophischen Ansatz einer meditativen, fernöstlichen Bildsprache mit den abstrakten Motiven einer westlich orientierten Öl-Lasur-Malerei.

Nach Ausstellungen in Ibiza und Köln ist die Galerie im Ganserhaus jetzt die dritte Station in Europa, die Arbeiten von Kiyoshi Shiraishi zeigt. Shiraishi, Jahrgang 1952, war eigens aus Tokio gekommen, um bei der Vernissage in Wasserburg dabei zu sein. Als Maler sucht er die künstlerische „Synthese“ zwischen Fernost und dem Westen. Die klassische japanische Malerei bevorzugt Tusche, Wasserfarben und Papier. Eher untypisch für Japan hingegen ist die Verwendung von Ölfarben und Leinwand, wie sie in Europa weit verbreitet ist.

Auch bei der Maltechnik setzt Kiyoshi Shiraishi ganz bewusst auf die Verbindung zwischen Tradition und Moderne. In seinen abstrakten Darstellungen orientiert sich der Künstler wiederum an den Überlieferungen und Lehren der japanischen Zen-Kultur, die er mit einem westlich beeinflussten Malstil dann umsetzt.

Für seine Arbeiten in Öl-Lasur-Technik benötigt Kiyoshi Shiraishi viel Zeit, Licht und Raum. Insbesondere der Entstehungsprozess der Bilder zur Ausstellung dürfte recht aufwendig gewesen sein, da viele hauchdünne Farbschichten übereinandergelegt wurden, die jeweils vorher trocknen mussten. Nur so lassen sich räumlich wirkende Bilder von bemerkenswerter Leuchtkraft, Transparenz und Tiefe erreichen, was auch bei den gezeigten abstrakten Motiven sehr reizvoll ist. Kiyoshi Shiraishi geht davon aus, dass jedem Menschen eine natürliche innere Kraft fern von kultureller Prägung innewohnt. Der japanische Künstler nützt diese Energie, um meist an mehreren Bildern gleichzeitig zu arbeiten.

Die Ausstellung beeindruckt durch vielformatige und auf den ersten Blick nahezu monochrome Bilderwelten. Es sind Werke von spirituellem Charakter, die zur Meditation einladen, aber auch Räume zum Wirken bringen. Dennoch ist der westliche Einfluss in Shiraishis Malstil unverkennbar. Die Titel seiner Arbeiten lauten „Abgelegenheit“, „Tau und Rauch“ oder auch „Düfte der Dunkelheit“. Was dem Ausstellungsbesucher zunächst nur als dunkles Farbfeld erscheinen mag, zeigt bei genauerer Betrachtung Farbreflexe in warmen Bunttönen von gelb, rot und braun mit eigentümlicher, innerer Leuchtkraft.

Kiyoshi Shiraishis Vorbilder sind Maler wie Mark Rothko oder Claude Monet. Rothko, dessen „Farbräume“ heute im gut zweistelligen Millionenbereich gehandelt werden, gilt als richtungsweisender Vertreter des Abstrakten Expressionismus. Bei Monet wiederum dominieren insbesondere im Spätwerk die impressionistischen Einflüsse. Shiraishi bringt die beiden unterschiedlichen Stile in Einklang. Die in der Galerie im Ganserhaus ausgestellten Arbeiten jedenfalls zeigen, wie dieser Brückenschlag in der bildenden Kunst gelingen kann und zumindest eine transkulturelle Fusion zwischen Fernost und West keine Utopie sein muss.

Bis 31. März

Ausstellung „Synthese“ in der Galerie im Ganserhaus noch bis 31. März geöffnet jeweils Donnerstag bis Sonntag von 13 bis 18 Uhr.

Artikel 5 von 10