Prien a. Chiemsee und Kienberg

von Redaktion

Was haben der Markt Prien am Chiemsee, der Fluss Prien und das Pfarrdorf Kienberg gemeinsam? Örtlich gesehen: Sie befinden sich allesamt im Chiemgau. Sprachlich gesehen: Sie haben die Buchstabenfolge i plus e gemeinsam.

Die Aussprache bei der Lautfolge ie scheint zwar auf den ersten Blick völlig klar zu sein. Und wer das ie in Prien, Chiemsee, Chiemgau und Kienberg standarddeutsch so, wie bei Dieb oder lieb artikuliert, macht keinen Fehler.

Aber die Aussprache der Einheimischen ist hiervon sehr wohl verschieden. Wer daher als Hiesiger die traditionelle Aussprache dieser Namen weitervererben will oder wer sich als Zuagroasder – Zuwanderer – dort auch sprachlich integrieren will, braucht die Unterweisung durch einen sogenannten „Native Speaker“. Und hierfür können wir kaum jemand besseren vorweisen als die BR-Redakteurin Regina Wallner, deren Heimatgemeinde Prien am Chiemsee ist und die sich freundlicherweise für ein Interview bereit erklärt hat. Regina Wallners Stimme ist übrigens täglich bei den Ansagen der Münchner S-Bahn zu hören!

Zur Aussprache von Prien erklärt die „Sprachschützin 2011“ des Landschaftsverbands Rosenheim im Förderverein Bairische Sprache und Dialekte: „Prien“ – sie spricht das r mit einer deutlichen Artikulation per Zungenspitzen-r – „hoaßd bei ins (uns) Brean. Aber: Der Fluß“ – das u artikuliert Regina Wallner eher lang als kurz – „is d Brea. Da Sää is da Kimmsää.“ Das heißt: Kein langer i-Laut wie im Standarddeutschen, sondern ein kurzes i. Ein wenig ins sprachliche Wanken gerät Regina Wallner bei der Frage, ob auch die Aussprache „Cheamsää“ richtig sei. Während sie den „Cheamsää“ ablehnt, befürwortet sie die Aussprache „Cheaming“ für das Dorf Chieming.

Etwas riskant war wohl die Frage nach der Aussprache von Kienberg. Dieses Dorf liegt ein gutes Stück weit nördlich von Prien, nämlich in der Verwaltungsgemeinschaft der Gemeinden Obing, Pittenhart und Kienberg. Die Redakteurin zögert aber nicht lange und sagt: „Keaberg“. Aber: Sicher ist sicher! Daher gilt es, in Kienberg selbst nachzufragen.

Und siehe da: Lisa Mayerhofer, Verwaltungsangestellte aus dem Bauamt, bestätigt die – neben dem hochdeutschen „Kienberg“ – bairische Aussprache „Keaberg“. Das ea wird nasaliert gesprochen, ebenso wie bei Brean und Brea.

Die Lisa gehört der ganz jungen Generation an und versichert, auch ihre Altersgenossen würden noch „Keaberg“ sagen. So ernennen wir sie ehrenhalber zur „Sprachschützin 2019“, da sie die lokale Aussprache auch für die Zukunft sichert! Damit Regina Wallner und Lisa Mayerhofer ihre Artikulierungen auch wissenschaftlich untermauern können, verweisen wir auf Karl Weinholds „Bairische Grammatik“. In Paragraph 74 heißt es, der neue Diphthong (Zwielaut) ea sei aus ie vor m und n entstanden, in Altbayern wie auch in den meisten Teilen Österreichs. Eine klare Regel! Nur: In der Schreibung hat sie sich nicht mehr durchgesetzt. Daher: Frag nach bei Regina und Lisa! Armin Höfer

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