Liebliche Resonanzmit zwei Gamben

von Redaktion

Byrd Consort spielt im Kloster Reisach

Bald ist wieder Passionszeit und die Gambenspieler rüsten sich schon für die Gamben-begleiteten Arien in Bachs Passionen. das „Byrd Consort“ widmet sich das ganze Jahr über unter Leitung von Michael Steinkühler der Gambenmusik. Als Konzert-Ort dient meist das alte Refektorium des Klosters Reisach. Diesmal war es Musik für zwei Gamben. Michael Steinkühler bot zusammen mit Fred Flassig, der über die Gambenmusik auch promoviert hat, eine überbordende Fülle von Gambenmusik.

„Sanfter, glatter

und klarer Strich“

Die Gambe heißt so, weil sie als „Viola da gamba“ zwischen den Beinen, italienisch: „gamba“, im Gegensatz zur „Viola da braccio“, die im Arm gehalten wird. Michael Praetorius beschreibt in seinem Buch „De Organographia“ (1619) den Klang der Gamben so: Sie geben „weit ein lieblicheren Resonanz als die anderen de bracio, welche uff dem Arm gehalten werden.“ Und Thomas Mace fordert in seinem „Musick’s Monument“ aus dem Jahre 1676 für die Bogenführung „einen angenehmen, sanften, glatten und klaren Strich“. „Lieblich“ und „sanft“ sind also die Klangforderungen.

Dabei kann man die Strichstärke durchaus variieren und damit reizvolle Echo-Wirkungen produzieren, wie Steinkühler und Flassig in der Sonata Nr. 6 g-Moll aus „Le Nymphe die Rheno“ von Johann Schenck (1656- nach 1712) demonstrierten. Temperamentvoller geht es in den zwei „Divisions“ von Christopher Simpson (um 1605 bis 1669) zu, in denen die beiden Gamben um die Wette sich jeweils musikalisch umkreisen, verschränken und gegenseitig variieren und verzieren.

Die ununterbrochene Darbietung solch feiner Musik kann zur Meinung verführen, dies sei reine „musica reservata“, also eine Musik für Kenner und Liebhaber und für „normale“ Ohren verschlossen. Deswegen hätten die beiden Gambisten vielleicht eine kleinere Auswahl treffen sollen, nicht unbedingt zwei Sonaten desselben Komponisten Schenck hintereinander spielen, sondern auch auf die jeweiligen Unterschiede hinweisen sollen.

Dankbar nahmen die Zuhörer die Mitteilungen auf, dass der Engländer William Young (um 1600 bis 1671) in Innsbruck gelebt hatte, weil er als Katholik in England verfolgt wurde, und dass er 1655 in Innsbruck vor der schwedischen Königin Christina spielte, deren Übertritt zum katholischen Glauben prunkvoll dort gefeiert wurde.

Auch dürfte die – diesmal recht wenigen – Zuhörer doch auch interessieren, dass die damaligen „Sonaten“ meist Suiten waren, also eine Abfolge von Tänzen mit jeweils eigenen Charakteristiken und Rhythmen, so dass man eine feierlich schreitende „Sarabande“ gleich von einer lustig hüpfenden „Gigue“ unterscheiden kann. So musikologisch eingebettet würden die Gambensonaten sicherlich noch lieblicher und sanfter klingen.

Artikel 8 von 10