Gesichter sehen dich an

von Redaktion

Porträtwerke von vier Künstlern sind in der Galerie Villa Maria zu sehen

Bad Aibling – Schon alleine von den Gemälden Ludwig Scharls schauen den Besucher 21 Augenpaare an: geradeaus, intensiv, wachsam, meistens ernst. Nimmt man die anderen ausstellenden Künstler hinzu, schauen weitere 23 Porträtierte, von denen allerdings einige ihren Blick in eine andere Richtung lenken, dem Besucher entgegen. „….ins Gesicht g‘schaut“ lautet der originelle Titel der Ausstellung in der Galerie Villa Maria. Und wirklich, nicht der Besucher alleine ist der Betrachter, die Bilder, Fotografien und Skulpturen nehmen ihr Gegenüber ebenfalls in Augenschein und laden so zum Dialog ein.

Die Porträtmalerei, auch die Darstellung des Gesichts in Fotografie und Skulptur ist so alt wie die bildende Kunst selber. Künstler unternehmen den Versuch, ein Gegenüber abzubilden und dabei seine äußere Erscheinung und seine Wesensmerkmale zu erfassen. Die vier ausstellenden Künstler haben diese Forderung mit unterschiedlichen Arbeitsweisen gelöst.

Der Aiblinger Maler Peter Tomschiczek hat auf einem sehr großen Format den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß dargestellt. Mit großem Duktus und wenigen Farben ist ihm die Wiedergabe eines Menschen gelungen, der mit Durchsetzungsvermögen dem Leben gegenübersteht. Eine Seite des Bildhintergrundes ist in dunklen Farben gehalten, die andere schimmert hell. Die Augen der Gestalt suchen Blickkontakt mit dem Betrachter. Ein zweites Porträt Tomschiczeks stellt den Aiblinger Maler Leo von Welden (gestorben 1967) dar, so wie man ihn kannte, vergnügt, gewitzt, zuver-sichtlich, sein Wesen für immer auf Leinwand festgehalten.

Ludwig Scharls Porträts erkennt man immer sofort: expressionistisch im Stil, die Gesichter mit einer dunkelroten Umrisslinie gezeichnet, die Falten im Gesicht mit schwarzen Linien überdeutlich gemalt, die Augenbrauen mächtig und die Augen voller Strahlkraft. So reihen sich Frauenporträts im Flur der Villa aneinander, Männerporträts wie die von Albert Einstein und Ernst Bloch sind auf die einzelnen Räume verteilt.

Helga Zellner gestaltet Skulpturen, ebenfalls einen Reigen von Frauen, die schelmisch, träumerisch, nachdenklich in die Welt blicken. Sie modelliert ihre Figuren in schwarzem oder fliederfarbenem Ton, bemalt sie mit Engobe und erhält nach dem Brennen ein nicht bis ins Letzte kalkulierbares Farbergebnis. So kommt es, dass der dunkle Untergrund an manchen Stellen durchschimmert und die Perfektion bricht – ein spannender Effekt.

Regina Trautwein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gesichter mit den Mitteln der Fotografie zu erfassen. Ständig mit wachem Auge unterwegs, findet sie häufig interessante Gesichter, die sie gerne im Bild festhalten möchte. Ein in die Wege geleitetes Gespräch, die Frage „darf ich?“ öffnet ihr die Möglichkeit, ein fotografisches Abbild zu schaffen. Es sind junge Gesichter, in denen das Leben noch keine Zeichen hinterlassen hat, aber auch manches von Jahren der Arbeit geprägte Antlitz. Und fast alle richten sie ihren Blick unbefangen geradeaus auf den Betrachter.

Regina Trautwein hat die kluge Entscheidung getroffen, in diese Ausstellung nur Schwarz-Weiß-Arbeiten zu hängen. Das gibt den starkfarbigen Werken der übrigen Künstler Raum und ihren eigenen die Ausdruckskraft, sich von den anderen abzusetzen.

Bis 21. April

Die Ausstellung ist bis 21. April zu sehen in der Galerie Villa Maria, Rosenheimer Straße 43 in Bad Aibling, Telefon 08061/92770. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, 14 bis 18 Uhr.

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