Jazz aus New York in Rosenheim

von Redaktion

Das „Blue Note Quintett“ spielt im Le Pirate ein sensationelles Konzert

Rosenheim – Vom häufigen Szenenapplaus bis hin zuausgelassenen Beifallsstürmen reichten die Reaktionen des Publikums bei einem der wohl besten Jazzkonzerte der letzten Jahre im „Le Pirate“. Das „Blue Note Quintett“ aus New York und Paris gab sich die Ehre, wobei am Schlagzeug mit Bernd Reiter ein alter Bekannter saß.

Im Zentrum des Star-Quintetts stehen die Bläser: Joe Magnarelli an Trompete und Flügelhorn spielte mehrere Jahre mit Lionel Hampton, aber auch mit Maria Schneider, Aretha Franklin und Grant Stewart. Dmitry Baevsky am Altsaxofon ist ein Beispiel für das Talent osteuropäischer Jazzer. Er studierte in Sankt Petersburg, ging mit 19 Jahren nach New York und wurde ein Teil der dortigen Szene. Der Pianist Jeb Patton musizierte mit vielen Stars, darunter Dizzy Gillespie, widmete sich wie manche Jazzpianisten als Grenzgänger auch der Klassik und spielte Bach. Fabien Marcoz aus Paris bildete mit einem unauffälligen, soliden Auftreten den zuverlässigen Rhythmus-Unterbau des Konzerts.

Die Band stieg gleich temperamentvoll ein, mit „Turquoise Twice“ aus dem Debütalbum des Pianisten Cedar Walton. Nuancenreiche Bläsersoli von Magnarelli und Baevsky wiesen gleich die Richtung, ergänzt von den ersten Pianoläufen Pattons zum Warmwerden. Ähnlich aufgebaut folgten die „Gaslights“ von Duke Pearson, mit einem Bläserfinale zum Dahinschmelzen. Die Band interpretierte dann „Conception“ von George Shearing, ein enorm komplexes, herausforderndes und daher selten gespieltes Stück: Hier steckte alles drin, von kernigen Bläsersequenzen im Bebop- und Hardbopstil bis zu einer langen Passage der Rhythmusgruppe, inklusive präziser und mit feinstem Timing ausgeführter Tastenmagie Jeb Pattons – das Stück zog enthusiastische Reaktionen nach sich. „Ask me now“ aus der Feder Thelonious Monks beinhaltete vertrackte Kapriolen und tolle Improvisationen von Joe Magnarelli an der Trompete.

Jeb Pattons Ballade „Truth tellers“ leitete den zweiten Teil ein, mit einem fein und warm gespielten Saxofon Baevskys. Diesmal wechselte Magnarelli zum Flügelhorn – was für ein dichter Sound in dem kleinen Club! Doch die Bluenotes hatten immer noch Potenzial für eine Steigerung der Intensität: „Mister Kenyatta“ von Lee Morgan brachte Rhythmus im Up-Tempo, einprägsam und auf den Punkt. Es entwickelte sich ein wilder, furioser Ritt mit dem inzwischen entfesselten Bernd Reiter am Schlagzeug, den fliegenden Händen Pattons und dem mehrfach neu einsetzenden Bläserduo.

Langsam ausklingen ließ es das Bluenote-Quintett in Richtung Mitternacht mit der Ballade „LaRue“ des Trompeters Clifford Brown – sanft im Abgang wie ein guter Roter.

Artikel 4 von 9