Rosenheim – Melodisch und swingend starteten die vier Musiker ihren inzwischen 71. Auftritt im „Le Pirate“, mit dem sich das Samerberger Jazzensemble der Musik des „Modern Jazz Quartets“ widmete. Das Auftaktstück hieß „Delaunays Dilemma“ und stammt vom Pianisten John Lewis. Er prägte fast 40 Jahre lang den Sound des Modern Jazz Quartets, gemeinsam mit Percy Heath am Kontrabass und Kenny Clarke am Schlagzeug sowie Milt Jackson am Vibrafon. Identisch besetzt ist das Samerberger Jazzensemble.
Im Mittelpunkt stand das melodisch dominante Vibrafon, auf dem Tizian Jost souverän lange Solopassagen spielte und immer wieder Zwischenapplaus erhielt. Reihum gab sich jeder „Samerberger“ mit einem Solo die Ehre: In die Rolle von Lewis war der aus Würzburg kommende Pianist Bernhard Pichl geschlüpft, den Part von Kenny Heath am Bass übernahm der Routinier Rudi Engel. Schlagzeuger und Moderator Michael Keul setzte einige knackige Akzente an seinem Instrument. Passend zum Frühlingswetter brachte der Sound eine leichte, luftige Atmosphäre in den Raum.
Ein Rückblick auf den Winter gelang mit dem zarten und träumerischen „Skating in Central Park“, einer Hommage an großstädtisches Eislaufen, tänzerisch wie ein Walzer, diesmal mit einer langen Passage der Rhythmusgruppe – Tizian Jost durfte erst einmal durchatmen.
Nach so viel Meditation war wieder Schnelles angesagt: „Softly as in the morning sunrise“ erwies sich als energetisches Stück mit einem nun auf seinem Instrument wirbelnden Jost, die Band drehte gehörig auf. In diesem Wechsel aus zarteren und dynamischeren Stücken entwickelte sich der Konzertabend, durch den Keul mit Zwischeninformationen zum Modern Jazz Quartet und mit einigen Kalauern führte.
Die Verbindung zur Klassik wurden deutlich. Barockmusik klang in einem Intro an, starke Bezüge gab es zu Johann Sebastian Bach und seinen Fugen unter dem Motto „Musikalisches Opfer“. Auch „Vendome“ war eine solche stark durchstrukturierte Komposition von John Lewis, dem ein warmherziges und melodisches „Milano“ vorangegangen war. Mit einem vertrackten Bass-Solo im „Two Bass Hit“, einer kernigen Bebop-Nummer, setzten die Samerberger wieder einen Kontrast.
In diesem Stil ging es in der zweiten Hälfte weiter: Das Modern Jazz Quartet – und somit auch die Samerberger – hatten sich dem Umarrangieren von Standards gewidmet. Besondere Höhepunkte waren Charlie Parkers „Scrabble from the apple“ und der umjubelte Klassiker Duke Ellingtons „It don´t mean a thing if I ain’t got swing“. In feinem, dezenten Duktus legte das Quartett einen dichten Klangteppich in den Raum – ein Abend für ruhige Genießer mit schönen Details.