Wasserburg – Die eindeutige politische Positionierung legte sich wie eine buchstäbliche Klammer um den ganzen Abend: Mit einem kurzen Anspielen seines „erschreckend aktuellen Willy“ aus dem Jahr 1977 und der tiefen Sorge, dass „die braune Brühe weitere Landstriche überschwemmt“, begann Konstantin Wecker sein Konzert in Wasserburg. Als eine der Zugaben gab es dann ein Lied über die Weiße Rose: „Ihr habt geschrien, als alle schwiegen. Es geht ums Tun und nicht ums Siegen.“
Dazwischen dominierte zwar der poetische Wecker in der gut gefüllten Badria-Halle. Poesie über das Leben, die Liebe und das Alter, inzwischen sogar über die Liebe im Alter. Doch seine romantischen („eher Frühromantik – für die Germanisten im Publikum“) Verse bedeuteten für ihn und sein Publikum keinen Widerspruch zum Politischen, denn: „Poesie ist Widerstand“, war er überzeugt – Widerstand gegen Konformismus und dumpfen Geist, gegen die Lebenslüge der einzigen Wahrheiten und einfachen Lösungen.
Die hat Konstantin Wecker nie gefunden, wie er im Lauf des Abends mit kurzen Rückblicken auf einige Brüche in seinem Leben klar machte, „ein Leben, für das ich dankbar bin“. Diese Dankbarkeit, dieses Zufriedensein ohne gleichzeitig satt zu werden, strahlte der inzwischen 71-Jährige intensiv aus. Glaubwürdiger als in früheren Jahrzehnten wirkte er, mit seinem Publikum reifer geworden, ein Stück weit angekommen. Er präsentierte sich an diesem Abend auch in den Texten aus seinen Büchern als ein Künstler mit vielen Facetten zwischen Schwermut und Energie-Explosion, der die große Gabe besitzt, Gedanken und Gefühle in Musik und Worte umzusetzen, „wobei meine Gedichte klüger sind als ich“, so sein Bekenntnis: Einige davon würden auch für ihn selbst erst Jahre später ihre eigentliche Aussage offenlegen.
Auf seine bekannteren Lieder verzichtete Wecker, kongenial begleitet von Fany Kammerlander (Cello) und Jo Barnikel (Klavier), in Wasserburg fast vollständig. „Was ich an Dir mag“ perlte wunderbar leicht von der Bühne und freute die Fans. Eher überraschend Schuberts „Leiermann“ als Reminiszenz an den Komponisten, den er für seine Musik als prägend ansieht. Mit dem „Wehdam“ machte er einen unerwarteten Ausflug in den Blues, es gab italienische und spanische Anklänge. Ein typischer Wecker dann wieder sein jüngstes Lied, das er nach den Ereignissen von Chemnitz geschrieben hat. „Das Leben will lebendig sein“, heißt es da, und: „Wer in Freiheit leben will, darf nie gehorsam sein.“
Für solche Aussagen gab es teilweise Szenenapplaus: Konstantin Wecker fasziniert sein Publikum unverändert, er trifft nach wie vor den Ton – und das nicht nur gesanglich. „Aba heid hoit ma zsamm“ hatte er am Anfang des Konzertes mit Blick auf rechte Umtriebe appelliert. Seine begeisterten Zuhörer hielten sich bis zum letzten Ton daran.