Rosenheim – Als „Tochter, Wunderkind, Komponistin, Pianistin, Geliebte und Ehefrau“ wurde Clara Wieck auf dem Programmzettel apostrophiert. Als Ehefrau hieß sie dann bekanntlich Schumann. Durch ein musikalisch-literarisches Portrait wollte die Sopranistin Anja Schwarze-Janka dem Publikum im Hans-Fischer-Saal des Künstlerhofs die facettenreiche und eigenständige Persönlichkeit Clara nahebringen.
Als Begleiter am Flügel agierte Patensohn Aaron Löchle, Ehemann Josef Janka übernahm die Abschnitte aus Roberts Briefen und Tochter Leonie verlieh Clara ihre Stimme, stellte sich aber auch bei den beiden Duetten Roberts als zweiter Sopran zur Verfügung. Eine wahrhaft harmonische Familienszene.
Mit „Das ist ein Tag, der klingen mag“ war man schon mitten drin in frühlingshafter Schwerelosigkeit. Anja Schwarze-Janka brachte mit voller, geschmeidig geführter Stimme die herrlich duftenden Farben der Lieder zum Klingen. Aaron Löchle, jung, dabei mit allen pianistischen Wassern gewaschen, bot der Sängerin zuverlässig und sensibel nicht nur die harmonische Grundlage, sondern gab auch Impulse – und blieb doch vornehm dezent.
Seine virtuosen Fähigkeiten durfte der Pianist dann bei den Solostücken unter Beweis stellen. Drei Werke für Klavier von Franz Liszt, Felix Mendelssohn und Johannes Brahms, also Komponisten aus dem Freundeskreis, lockerten das Programm auf und vertieften es zugleich. Löchle betonte bewusst den poetischen Gehalt der Kompositionen und blendete nicht mit „mechanischer Virtuosität“, die der Pianistin Clara Wieck-Schumann sowieso zutiefst zuwider war.
Die Heirat von Robert und Clara hat Papa Wieck lange Zeit erfolgreich zu verhindern gewusst. Seine verbale Charakterisierung des unwillkommenen Verehrers seiner Tochter lässt an Deutlichkeit und böser Ranküne nichts zu wünschen übrig. Das junge Liebespaar ertrotzte sich schließlich nicht nur die Ehe per Gerichtsurteil, sondern auch einen rauschenden „Liebesfrühling“. Die Lieder Roberts und Claras lassen dies glaubhaft nachvollziehen.
Ein besonderer Glanzpunkt: Die beiden entzückenden Duette, in denen Leonie Janka mit frischer, aber professionell geformter Stimme der Mutter glänzend zur Seite stand.
Hatte Friedrich Wieck am Ende doch recht? Hat er die traurige Krankheit Robert Schumanns geahnt? Interessenskonflikte blieben nicht aus. Ein Exkurs über die „wahre Bestimmung der Frau“ ließ vor allem den weiblichen Teil des Publikums aufstöhnen.
Resignative Töne finden sich in Clara Schumanns „Sie liebten sich beide“ und dem tieftraurigen „Ich stand in dunklen Träumen“. Da aber wurde der junge Freund Johannes Brahms ihr zur seelischen Stütze. Anja Schwarze-Jankas breite Ausdruckspalette bewährte sich in allen Schumannschen Gefühlslagen.
Eine „Huldigung für Clara“ von großer künstlerischer wie emotionaler Qualität. Walther Prokop