Abraham Megerle neu gehört

von Redaktion

Passionskonzert des Chores „Concenti musicali“ in der Attler Kirche

Wasserburg – War es besondere Erwartungshaltung oder gar Laune, die den Schreiber bewog, diesen Abend mit vornehmlich Werken von Abraham Megerle mit anderen Ohren als früher wahrzunehmen? Er hatte sich vorgenommen, diesmal Megerles Stücke so aufzunehmen, als würde er dem Komponisten erstmalig begegnen.

Welcher Schwung an diesem Abend von Beginn bis Schluss, welche Variabilität auch innerhalb der Werke Megerles! Peter Adlers Ankündigung im Programm, dass jedes seiner Werke „seinen eigenen Charakter habe“, hatte sich hier bewahrheitet, und nicht nur vom Blickpunkt der Wissenschaft aus, sondern auch für den Zuhörer – und das war nicht immer so. Solcher Eindruck von früher sei dem geehrten Notenschürfer Peter Adler hier im Nachhinein mal „gebeichtet“.

Bestand das Besondere dieses Abends nun im mannigfach Neuen der Werke oder nicht zuletzt in der über sich hinaus wachsenden Souveränität im Dirigat des Leiters, der die Tempi fließen ließ, ja bisweilen mutig anzog?

In der makellosen Intonation der Gesangssolisten (Julia Kirchner und Maria Ladurner, Sopran; Markus Forster, Altus; Andreas Hirtreiter und Manuel Warwitz, Tenor; Michael Mantaj, Bass), vom Chor ganz abgesehen, der hier eine wie selbstverständliche Stütze im musikalischen Geschehen darstellte? Ein Posaunentrio in kraftvollem Themeneinsatz und die Streicher sowie die Continuopartner in herzhafter Handhabung der Saiten taten das Übrige, um dem Ganzen Halt zu verleihen.

Lassen wir die besonderen Momente und Eindrücke vom Abend Revue passieren: Das Requiem Megerles für Antonio Bertali, von eindringlicher Trauer um den Musikfreund getragen; und plötzlich, im „Osanna“, sieghaft ein lapidarer Kontrapunkt um Quart- und Quintsprünge, als habe da eitel Freude geherrscht an gediegener Kunstfertigkeit; die rhythmische Kraft, die das „Confiteor“ prägte – ist dies Werk in seiner offensichtlichen Andersartigkeit wirklich von Megerle? Peter Adler ist wie stets davon überzeugt; eine lauretanische Litanei in einer Art erweiterter Ciacona und schließlich das „Laudate“ in lebendiger Figuration.

War nun die als Pendant zu Megerle vorgestellte Musik von Antonio Bertali ein Gegensatz? Zu wenig hörte man leider an diesem Abend von dem Italiener in Wiener Diensten. Aber eines könnte man doch herausgehört haben: Wie eine Moll-Tonart erfrischend wirken kann, das hatten die Italiener im Barock besser heraus als der süddeutsche Abraham Megerle.

Trotzdem: Dessen großes vielfältig strahlendes Dur begleitete noch lange Stunden die Erinnerung an einen besonderen Abend.

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