Eine musikalische Biografie

von Redaktion

Austropop-Ikone Wolfgang Ambros begeistert im Kultur- und Kongresszentrum

Rosenheim – Sein Körper ist vom Leben gezeichnet, aber sein Geist in ungebrochen: Wolfgang Ambros ist wieder auf Tour. Bei seinem Konzert im Kultur- und Kongresszentrum begeisterte er rund 650 Zuschauer nicht nur mit seinen Liedern, sondern auch durch seine schonungslos ehrliche Art, mit dem Alter umzugehen.

„Sex, Drugs and Rock and Roll“ – Wolfgang Ambros kennt alles. Ein derart bewegtes Leben fordert irgendwann seinen Tribut. Der österreichische Liedermacher, der mit Hits wie „Langsam wochs ma z’amm“ oder „Es lebe der Zentralfriedhof“ bekannt wurde, kämpft schon seit Jahren mit gesundheitlichen Problemen. 2014 wurden ihm mehrere verkrümmte Wirbel entfernt. Nur mit enormer Willenskraft schaffte er es danach zurück auf die Bühne.

Dort ist sein Zuhause, das wird im Kultur- und Kongress-Zentrum schnell klar, wenn man sieht, wie Ambros aufblüht, als er es erst einmal mit viel Mühe, nach vorne gebeugt, am Gehstock, zu seinem Sitzplatz geschafft hat. Er strahlt, er grinst. Er wirft Handküsse ins Publikum. Schnell ist das Unbehagen, einen derart gebrechlichen Menschen auf der Bühne „arbeiten“ zu sehen, verschwunden. „Der hat Mut!“, meinen viele anerkennend in der Pause.

Nach Rosenheim zieht es die Austropop-Ikone immer wieder zurück: Vor zwei Jahren mit der Abschiedstournee des legendären Watzmann-Musicals und im vergangenen Jahr mit einem Unplugged-Konzert im Ballhaus. Im Vergleich dazu wirkte Ambros diesmal wesentlich frischer und glücklicher. Die raue Stimme passt zum rauen Gemüt. Fast drei Stunden singt er Lieder aus fast fünf Jahrzehnten Künstlerleben – eine musikalische Biografie, die mit der Midlife-Crisis beginnt, in der er mit dem Lied „Geplante Zukunft“ über sein „verpfuschtes Leben“ nachdenkt. Danach geht es zurück zu der ersten große Liebe, die er mit „Du bist wie die Wintersunn“ anbetet und von dort wieder ins Hier und Jetzt mit „Du verstehst mi ned“.

In der ersten Halbzeit schlägt Wolfgang Ambros vor allem leise Töne an. Er gibt sich melancholisch und nachdenklich, singt fast immer mit geschlossenen Augen. Nach der Pause geht es, zur Freude des Publikums, wesentlich temperamentvoller weiter. Unterstützung sowohl in musikalischer als auch in menschlicher Hinsicht bekommt Ambros von Günter Dzikowski am Keyboard und Roland Vogel mit Gitarre und Bass.

Am Schluss sonnt sich Ambros im Applaus seines Publikums. Dzikowski und Vogel helfen ihm beim Verbeugen. Die letzte Zugabe des Abends ist der Song „Schifoan“. Bei dem muss Ambros nur noch den Einsatz vorgeben, den Text beherrscht fast jeder im Publikum aus dem ff. Ambros lauscht, genießt und verspricht: „I kimm wida nach Rosenheim.

Artikel 6 von 11