Kolbermoor – Der Kolbermoorer Orgelmittwoch ist immer ordentlich bis gut besucht, doch so voll war die Kirche Wiederkunft Christi selten: Johannes Berger spielte. Der Organist, Cembalist, Kustos der Kufsteiner Heldenorgel und Leiter des Ensembles „Concerto München“ aus Oberaudorf hatte gleichsam ein Heimspiel – aber was für eines! Selten vermittelte ein Orgelspiel so viel Lebensfreude, selten erlebt man so viel unbeschwerte Leichtigkeit, als sei Orgelspiel das Leichteste der Welt. Insgesamt war es eines der besten Orgelkonzerte in der qualitätvollen Konzertreihe.
Johannes Berger begann und endete mit Bach: Das Präludium aus BWV 543 begann er in flüssigem, fast swingendem Tempo, leichthändig präludierend, wie gerade entstanden in aller frischen Unschuld. Die folgende Fuge kam rhythmisch schwebend und dadurch fast ein bisschen tanzend, entstanden dadurch, dass Berger oft die Eins des Taktes minimal dehnte. Rauschend, strahlend und selbstbewusst endete diese Fuge.
Dann gab’s einen Ausflug in die farbenfrohe französische Orgelmusik. „Cortège et Litanie“ von Marcel Dupré (1886 bis 1971) beschreiben einen Kirchenzug und eine Litanei: Den „Cortège“ versah Berger im oberen Manual mit dem Tremulanten, so dass sich ein schwimmendes Vibrato ergab, während die unteren Bereiche den Schreitrhythmus abbildeten. Die monothematische und durch die 23-malige Wiederholung des Themas auch monomanische Litanei wird zum Ende hin immer drängender, inständiger, flehender, bis sie wie eine erleuchtende Erfüllung im hellsten Es-Dur aufstrahlt.
Die sechsteiligen „Arabesques“ des 1955 geborenen Naji Hakim brachten die Orgel zum Tanzen: Es begann zunächst spielerisch suchend und skalenwirbelnd, wurde dann pastoral sich wiegend, dann wild aufschäumend mit orientalischen Klängen, die Hakims libanesische Wurzeln hören ließen. Alles endete mit einem fröhlichen und spitzbübisch schrägen Rausschmeißer-Tanz: Lebensfreude pur auf der Kirchenorgel, die hier wie eine Straßenorgel klang.
Den fast explosiven und dann lang anhaltenden Beifall beantwortete Berger mit Bach: Klar und ruhig fließend wie ein Abendlied spielte er das Choralvorspiel BWV 639 „Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ“: Die Lebensfreude wandelte sich zu Lebenszuversicht.