Rohrdorf – Josef Stocker entwickelte im Jahr 2003 die Idee, Musikern, die Streichinstrumente spielen, eine eigene Plattform zu geben. Eine Reise nach Afrika inspirierte ihn dazu, die angedachten Konzerte mit wohltätigen Zwecken zu verbinden. Der Kindergarten von Karasburg in Namibia, den er besuchte, war somit der Nutznießer in der Geburtsstunde der „Klassik für die Mission“. Weit über 100000 Euro wurden seither für gute Zwecke erspielt und weitergereicht.
Josef Stocker und seine Frau Christina, die sich – wie könnte es anders sein – über die Musik kennengelernt haben, sind die Köpfe hinter dem Projekt. Seit 2004 führt die gelernte Kirchenmusikerin Christina Stocker als Dirigentin das Orchester, die Sänger und Solisten. Hilfe erfahren die beiden über den Pfarrverband Rohrdorf und die Kolpingsfamilien Rohrdorf und Aschau. „Alles wird in Eigenregie gemacht, Hinweistafeln, Transparente und natürlich einfache Werbematerialien. Das Aufwendigste sind die Noten. Die müssen von uns gekauft werden“, sagt Christina Stocker.
Aber auch da bekommen sie manchmal unverhofft Unterstützung. In diesem Jahr wird das „Ave Maria“, komponiert von Greta Funk, aufgeführt. Josef Stocker stieß auf Youtube auf einen Ausschnitt mit dieser Komposition und wollte unbedingt dieses Stück für das diesjährige Konzert. Er nahm Kontakt mit der Komponistin auf. Die Schweizerin war so begeistert von der Benefizidee aus Rohrdorf, dass sie die Noten sehr günstig zur Verfügung stellte und nun auch persönlich zum Konzert morgen, Sonntag, kommt. Ähnlich wie die Witwe des Komponisten Werner Pirchner aus Innsbruck: Sie übergab den Stockers großzügig einige der nicht verlegten Kompositionen. „Das sind Glücksfälle und schöne menschliche Erlebnisse“ sagt Stocker.
Alle Musiker, Sänger und Solisten sind Amateure und spielen ohne Gage: „Es ist für manche nicht einfach. Viele haben einen ausfüllenden Beruf. Da wird es manchmal eng mit der Zeit.“ So wird auch bei der Suche nach weiteren Mitspielern manchmal der Kopf mangels Gage geschüttelt.
Aber das trübt die Freude an diesem Projekt keineswegs. Das ganze Jahr werden Noten gesammelt. Die Stockers achten dabei auf eine unterhaltsame Mischung von Klassik und Moderne. „Wenn wir nur Kammermusik spielen würden, schlafen uns die Besucher in der Kirche ein“, sagt Stocker. Von Beethoven bis Jack White und natürlich Greta Funk ist ein breites und interessantes Repertoire geboten. „Wir hoffen natürlich, dass das Körberl, welches herumgereicht wird, recht gut gefüllt wird“, so Christina Stocker. Der größte Teil des Erlöses kommt aber über das Spen-denkonto, das vom Pfarrverband verwaltet wird. „Schade ist, dass wir seit der Datenschutzverordnung nicht mehr wissen, wer gespendet hat. Ich würde so gerne Dankeschön sagen – so wie früher,“ bedauert Josef Stocker.
Heuer werden das Ausbildungsprojekt Rohrdorf „Fachkräfte für Uganda“, das „Haus für Waisenkinder“ in San Vicente de Cañete in Peru, die „Stiftung Korbgemeinschaft“ über die Hilfe für Syrien in Wien und der Kindergarten in Karasburg in Namibia unterstützt.
„Wir wünschen uns, dass neben dem positiven Effekt, einen guten Zweck zu erfüllen, unsere Konzerte auch dazu dienen, junge Leute für die Musik und den wohltätigen Gedanken zu begeistern“, so Christina Stocker.
Das Konzert findet morgen, Sonntag, um 19.30 Uhr in der Pfarrkirche Rohrdorf statt.