Prien – „Das Wesen meiner Malerei liegt in Harmonie und Spannung zugleich“, sagt die Münchner Künstlerin Sylvia Roubaud. Genau diese Aussage spiegelt sich in den Bildern wider, die sie derzeit im Priener Heimatmuseum zeigt. Der Titel lautet „Die schmutzigen Hände“, ein Bilderzyklus nach dem Drama von Jean Paul Sartre.
Das ist allerdings nur das Herzstück der Ausstellung. Die sieben Zeichnungen aus den vergangenen zwei Jahren (1 bis 7) geben in Graphit, Kreide und Pigment auf Papier im abstrakten Malstil Sartres Unendlichkeitsspiel wieder. Kräftige Farben, zumeist Schwarz und Rot, überlagern einander, wobei Schwarz für Energie steht: impulsiv und dynamisch. Die Farben haben keine Begrenzung, so wie auch bei Sartres Drama nach dem Zweiten Weltkrieg keine Lösung in Sicht ist. Die Bilder 9, 10 und 11 in Ayryl und Kreide auf Papier sind ebenso abstrakt, doch noch energiegeladener. Sie stammen aus der künstlerischen Zusammenarbeit zwischen Sylvia Roubaud und Josef Anton Riedl und tragen den Titel „Hommage á Josef Anton Riedl“. Der deutsche Komponist und Tonkünstler (1927 bis 2016) beschäftigte sich mit den neuen Techniken elektroakustischer Musik. Bei seinem legendären „Musikfilm „Dia Licht“ beim Festival 1972 kam es zu der Zusammenarbeit mit Sylyia Roubaud. Ähnlich wie die atonalen Töne bei Riedl hat Sylvia Roubaud in diesen Bildern ihre Farben angeordnet: Wild und ungezähmt.
Obwohl abstrakt, strahlt das Tryptichon „Zeit – Raum“ aus dem Jahre 2017 in Acryl auf Karton eine gewisse Poesie aus. Der Lichtraum ist als gedachter Raum zu spüren und vermittelt dem Betrachter einen eigenen Erlebnis-Raum als Raum in der Zeit. Die Farben scheinen zu schweben.
Auch die Einzelarbeiten 12 bis 18, zumeist Aquarelle, sind zarter als die Zyklen. Einige davon haben sogar den Titel „Poemas“, also Gedichte, und strahlen Hamonie aus im Gegenstatz zu den spannungsgeladenen Zyklen. Sylvia Roubaud wurde 1941 in München geboren, zählt heute zu den renommiertesten Künstlerinnen der Landeshauptstadt und heimste zahlreiche internationale Preise ein. Ihr besonderer Bezug zu Prien und dem Chiemgau besteht darin, dass sie die Enkelin von Franz Roubaud ist. Der bekannte Schlachtenmaler besaß eine Sommervilla in der Nähe von Prien. Sylvia Roubaud stellt seit 1964 bei den Jahresausstellungen Chiemgauer Künstler aus.
Die aktuelle Ausstellung im Priener Heimatmuseum ist bis 28. April täglich außer Montag von 14 bis 17 Uhr zu sehen.