Die Essenz der Musik

von Redaktion

Inselkonzerte Auftakt auf Herrenchiemsee mit den neuen Kuratoren

Herrenchiemsee – Dass die Inselkonzerte im Bibliothekssaal des Chorherrenstifts auf Herrenchiemsee fortgesetzt werden, ist für Liebhaber klassischer Kammermusik ein großes Glück. Niels Mönkemeyer (Bratsche) und William Youn (Klavier) sind nicht nur die neuen Kuratoren der kommenden Konzerte, sondern auch ausgezeichnete Musiker, die schon viele Jahre zusammen auftreten. Im festlichen Auftakt- und Benefizkonzert standen Werke von Debussy, César Franck, Schubert, Liszt, Bach und Rebecca Clarke auf dem Programm. Zwischen den einzelnen Stücken stellten sich Mönkemeyer und Youn den Fragen von Moderatorin Annekatrin Hentschel von Bayern 4 Klassik.

Claude Debussys „Beau Soir“ passte zwar noch nicht ganz zur Tageszeit, schuf aber eine poetische Stimmung voll zarter Melancholie. Mönkemeyer und Youn bildeten schon in dieser Vertonung eines Gedichts von Paul Bourget eine perfekt aufeinander abgestimmte musikalische Einheit. Auf der Bratsche zauberte Mönkemeyer empfindsam gespielte melodische Träumereien, die Youn auf dem Klavier mit perlendem Ton begleitete.

Einen leidenschaftlichen Dialog vollführten beide Instrumentalisten in der Sonate für Viola und Klavier in A-Dur von César Franck. Die sehnsuchtsvollen Motive mit ihren schwebenden Rhythmen und häufigen Modulationen in entfernte Tonarten brachten Mönkemeyer und Youn bewegend zum Ausdruck. Zarte Lyrismen im ersten Satz kontrastierten scharf zur Erregtheit im Allegro, in dem die Bratsche mit dem Klavier einem wilden Wettstreit vollführte. Ihr herber Klang bildete zur Klarheit des Klaviers einen effektvollen Gegensatz.

„Das Wasser ist für uns eine große Inspiration“, erklärte Youn, der den Chiemgau besonders schätzt. Auch wenn man spiele, fühle man sich wie auf einer Insel. Mit Blick durch die Fenster des Saals auf den Chiemsee durfte das Publikum einer Schubert-Bearbeitung von Liszt lauschen, deren Titel „Auf dem Wasser zu singen“ nicht besser hätte passen können. Youn erzeugte auf seinem Klavier gleichsam musikalische Wellen, deren sanftes Rauschen betörte. Raffinierte virtuose Steigerungen kennzeichneten anschließend Liszts Allegro con strepito aus den „Soirées de Vienne“, für das der Pianist lebhaften Beifall erhielt.

Mit Bachs Suite für Viola Solo Nr. 1 in G-Dur zeigte Mönkemeyer, über welchen Ausdrucksreichtum er mit seinem Instrument verfügt. Die rhythmischen Tänze spielte der Bratschist, der nach eigenen Worten sehr an der Essenz der Musik interessiert ist, mit müheloser Leichtigkeit, technischer Perfektion und großer klanglicher Balance. In der rasant und kraftvoll endenden Sonate von Rebecca Clarke für Viola und Klavier berührte noch einmal das brillante Zusammenspiel der beiden Interpreten. Für den anhaltenden Beifall bedankten sich Youn und Mönkemeyer, der Jahreszeit ein wenig voraus, noch mit der „Mainacht“ von Johannes Brahms.

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