„Is denn des net a Lebn?“

von Redaktion

Sänger- und Musikanten-Hoagartn im nicht voll besetzten Rosenheimer Kuko

Rosenheim – Der Sänger- und Musikanten-Hoagartn des Trachtenvereins Rosenheim1 Stamm fiel mitten in die Fastenzeit. Darauf reagierte Sprecher Heinrich Albrecht aus Siegsdorf in Vereinbarung mit der Organisatorin Monika Fackeldey: Er las einen religiösen Text über die Angst Jesu am Ölberg, wozu die „Happinger Ruck-Zuck-Musi“ langsame Akkordeonklänge und die „Lenzensberg Soatn-Musi“ sanftes Harfenrauschen und einen Walzer spielten. Kurze Zeit später animierte er das Publikum im bei weitem nicht ausverkauften Rosenheimer Kuko zum gemeinsamen Singen eines Bier-Liedes. Und am Ende zum Singen eines Lebensgenuss-Kanons: bayerisches Lebensgefühl?

Monika Fackeldey vom Rosenheimer Trachtenverein 1 Stamm hatte – wie immer – neben der vereinseigenen vier Gruppen aus dem Alpenraum eingeladen, darunter leider nur eine aus Österreich, die auch am meisten Stimmung und Mitklatschlust brachte: Die „Roßfeldmusi“ ist ein Trio, das ursprünglich das „Scheißhäusl-Duo“ war, jetzt aber in der so typisch steirischen „Edler-Trio“-Besetzung spielt. Die aufjuchzende Klarinette von Andi Gerhardter, die wendige steirische Harmonika vom Stocker Ernst, dessen trockener Humor schön mit seinem Vornamen kontrastiert, und die fundamentgebende Posaune vom Hias Zörweg produzieren lebensfrohe Volksmusik, die schnell in die Beine geht. Als Sänger priesen der Andi und der Ernst das freie Jagerleben („Im Wald drauß is schee“) und die Liebe („Du liegst in meinem Herzen drin“). Echt bayerische Tanzlmusi boten die sechs kernigen Männer – die „weibliche“ Harfe gebar gerade ihr Kind, so sprang ihr Bruder als Gitarre ein – der „Schladl-Musi“ aus der Altöttinger Gegend: Sie spielten wirklich mit „Herzbluat“, wie einer ihrer Titel heißt, besonders gefielen die weichen Flügelhörner samt Ventilposaune, die vor allem im Mittelteil der gespielten Stückln das Herz erwärmten. Kaum hatten sie losgelegt, wippte schon der Fuß von Regina, der Sängerin der „Geschwister Biegel“, die aus Miesbach stammen und seit frühester Kindheit an miteinander Familienmusik machen. Regina ist mit ihrer lockend-dunklen Altstimme das Herz dieses Gesangstrios, ihre Brüder Ludwig und Rupert ließen ihr gerne diese Vorzugsstellung. Sie strahlt auch so viel Lebensfreude und Singlust aus, dass man nicht genug davon hören konnte. Ob „Aufs Tanzn bi i ganga“ oder wenn sie suggestiv fragt: „Is denn des net a Lebn?“ Als Zugabe sangen die drei einen melodiösen Jodler.

Für die feinen Klänge waren die zwei übrigen Gruppen zuständig: Die „Lenzensberg Soatn-Musi“ aus Traunstein begleitete nicht nur die Biegel-Geschwister, sondern pflegt auch selbst feinste Stubnmusi im Saitenklang in der klassischen Tobi-Reiser-Besetzung. Sehr gut zusammengespielt und aufeinander abgestimmt sind die vier Frauen und der basszupfende Flori, der so schön im Rhythmus mitschwingt, ja fast swingt. Die Okarina der Franziska Fackeldey ist tonangebend – wenn auch nicht immer ganz in der exakten Tonhöhe – in der gastgebenden „Happinger Ruck-Zuck-Musi“, die ihre Polkas scharf rhythmisch markiert und in ihren Stückln oft Teile in der ernsteren Moll-Tonart hat. Im Gedächtnis bleiben der gemütvolle „Pinzgauer Walzer“ und der elegische „Schäferin-Walzer“ – ist doch die Ziach spielende Monika Fackeldey auch Schäferin.

Einziger Wermutstropfen: Die Lautsprecheranlage war nicht immer feinfühlig eingestellt: Die Tuba der „Ruck-Zuck-Musi“ kam da stark ins Grunzen, die Saitnmusi kam oft übersteuert, während es schien, als funktionierte das Mikrofon bei der „Roßfeldmusi“ überhaupt nicht. Schade.

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