Großkarolinenfeld – „LBT“ steht für „Leo Betzl Trio“ und ist der Name der Jazzformation mit Leo Betzl am Piano, Maximilian Hirning am Kontrabass und Sebastian Wolfgruber am Schlagzeug. Das Trio spielt einen sehr dynamischen Jazz, weiß um die Tradition, bringt aber viele neue, auch stark rhythmische Elemente in ihrer Musik zum Tragen. Ende letzten Jahres konnten die drei den BMW-Jazz-Award gewinnen und vor kurzem den Nachwuchspreis beim Festival in Burghausen (wir berichteten). Die OVB-Heimatzeitungen haben dem aus Großkarolinenfeld stammenden Bandleader Leo Betzl (Jahrgang 1991) einige Fragen gestellt.
Lieber Herr Betzl – herzlichen Glückwunsch zu gleich zwei Jazzpreisen innerhalb kurzer Zeit. Wie fühlt man sich so als Preisträger?
Dankeschön! Wir alle drei fühlen uns natürlich stark geehrt. Diese Auszeichnungen geben uns aber auch die Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg mit unserem Projekt und unserer Musik sind. Nicht zu vernachlässigen sind dabei neben den finanziellen Spritzen, die solche Preise mit sich bringen, die Publicity und die Folgeanfragen für weitere tolle Konzerte und Auftritte bei Festivals.
Wie war es atmosphärisch bei BMW-Jazz-Award und in Burghausen – gibt es da große Unterschiede?
Die Atmosphäre war bei BMW, da es unser erster großer Wettbewerb in dieser Formation war, stärker von Anspannung und Nervosität geprägt als in Burghausen, obwohl das ein ebenbürtig großer und renommierter Wettbewerb ist. Burghausen war allerdings vielleicht ein wenig vertrauter und heimeliger, da wir drei im Zuge unseres Jazz-Studiums an der Hochschule für Musik und Theater München in den vergangenen Jahren oft an den Burghauser Jazzwochen bei Workshops und Meisterklassen teilgenommen und auch immer davon geträumt haben, einmal selbst auf der großen Bühne in der Wackerhalle zu spielen und beim Wettbewerb mit dabei sein zu dürfen.
Sie gelten mit Ihrem Trio als junge Impulsgeber der Szene. Wie verhält es sich bei LBT mit Tradition und Innovation?
Wir versuchen, in unserer Musik sowohl Tradition als auch Innovation zu verbinden: Die ersten Jahre haben wir uns sehr stark mit der Tradition beschäftigt und dabei sehr viel gelernt. In letzter Zeit war es uns aber zunehmend wichtig, neue Wege zu gehen, die Tradition hier und da mal zu „brechen“ oder weiterzuentwickeln und somit etwas Neues auszuprobieren. Genau das macht für uns den Reiz dieser Musik auch aus: nicht zu wissen, was oder wie man etwas in einem oder zwei Jahren spielt.
Tauschen Sie sich in der Szene immer wieder aus über Trends?
Unser Netzwerk von Musikern, vor allem in München, ist im Moment sehr groß und vielfältig. Jeder von uns dreien spielt auch noch in diversen anderen und stilistisch unterschiedlichen Formationen mit. Dadurch verfallen wir nicht in einen „musikalischen Tunnelblick“, sind immer offen für Neues und tauschen uns auch mit den anderen Kollegen, Kolleginnen und Bands aus, was in unserem Beruf etwas sehr Schönes, Spannendes und Essentielles ist.
Ist der deutsche Jazz noch in der Nische und wenn ja, was müsste sich tun für mehr Breitenwirkung?
Ob und wenn ja, wie stark der deutsche Jazz noch in der Nische ist, kann ich selbst aufgrund meiner gewissen Befangenheit wohl nicht wirklich beurteilen. Was aber auf jeden Fall nicht schaden würde, wäre noch mehr staatliche Förderung, zum Beispiel nach dem Vorbild der staatlichen Förderung der klassischen Musik. Aber auch private Unterstützung, wie etwa auf Konzerte gehen, ist für das Überleben der Musiker und somit auch der Musik unabdingbar.
Es gibt ja viele Witze über Jazzer – verraten Sie unseren Lesern einen?
Gerne, ich bin ja ein großer Fan von Selbstironie: Was ist der Unterschied zwischen einem Jazzmusiker und einem Popmusiker? Der Popmusiker spielt drei Akkorde vor 1000 Zuhörern, der Jazzmusiker spielt 1000 Akkorde vor drei Zuhörern. Noch ein kurzer: Geht ein Jazzmusiker an einer Kneipe vorbei. Interview: Andreas Friedrich