Rosenheim – Auf ungewöhnliche Pfade begibt sich Quadro Nuevo beim ihrem neuen Projekt „Volkslied Reloaded“. Das Instrumentalensemble, das ständig rund um die Welt unterwegs ist und sich dabei von fremden Kulturen inspirieren lässt, spürt diesmal den musikalischen Wurzeln der Heimat nach und hat sich mit dem deutschen Volkslied beschäftigt. Für das neu erschienene Album hat sich Quadro Nuevo mit dem Münchner Rundfunkorchester zusammengetan. Am Samstag, 20. Juli, treten Quadro Nuevo und Orchester mit dem neuen Programm beim Rosenheimer Sommerfestival auf.
Lieber Mulo, Euer aktuelles Projekt nennt sich „Volkslied reloaded“. Bewusst provokativ gefragt: Ist Quadro Nuevo des Reisens und Experimentierens müde oder wie kam es zum neuen Projekt?
Wir touren seit 1996 quer über den Globus. Unser Spaß daran ist unermüdlich. Die Musik von Quadro Nuevo hat sich immer durch die Begegnung mit fremden Kulturen genährt. Beim Reisen haben wir immer wieder eines festgestellt: Italiener, Skandinavier, Russen, Griechen, sie sitzen beieinander und stimmen fröhlich in ihre Lieder ein. Das tut man bei uns nicht. Und selbst wenn man wollte, man kriegt es nicht so ganz hin. Dabei gab es doch mal einen reichen Schatz. Besungen wurden all die Themen des Lebens: die Liebe, die Schönheit, die Freiheit, der Rausch, das Feiern des Daseins auf dieser Erde. Diesen Schatz wollen wir nun auf einer instrumentalen Ebene heben.
Welchen Kanon umfasst eigentlich der Begriff „Deutsches Volkslied“ und wie erfolgte die Auswahl der Stücke für das neue Album?
Volkslieder sind in meinem Verständnis Melodien, die über mehrere Generationen weitergereicht werden. Sie können ihre Wurzeln in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges (beispielsweise „Maikäfer flieg“) oder im Mittelalter (z.B. „Ich fahr dahin“) haben. Oder wie „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ ein vertontes Gedicht von Goethe sein. Für uns war es wichtig, diesen Weisen junge Energie und rhythmische Finesse in die alten Adern zu schießen. Das funktionierte beim brasilianisch angelegten „Hoch auf dem gelben Wagen“ besonders gut.
Wann gab es zuletzt solche Wiederbelebungen der deutschen Volkslieder? Waren das Liedermacher wie Hannes Wader, die einzelne Titel im Programm hatten und haben?
Ja, es gab einige Musiker, die das versuchten. Wir experimentieren selbstständig: Wie kann man die Freiheitsliebe und Offenheit, die das schöne „Die Gedanken sind frei“ fordert, musikalisch umsetzen?
Die Volkslieder sind ja neu arrangiert – wie entstehen solche Arrangements und welche Rolle haben Elisabeth Fuchs und das Münchner Rundfunkorchester gespielt?
Wir spüren jeder Melodie genau nach und suchen eine lustvolle Umsetzung. Mal als schneller Swing, mal als Tango, mal verträumt. Das ist ein langer Prozess mit vielem Ausprobieren. Die fantastischen Klangfarben des Orchesters haben wir dort eingesetzt, wo es uns gefiel. Elisabeth Fuchs ist unsere Wunsch-Dirigentin, weil sie unsere Musik versteht und mit leidenschaftlichem Feuer umsetzt! Dabei können wir Solisten von Quadro Nuevo uns künstlerisch völlig ausleben.
Welches Stück ist Dein persönlicher Favorit?
„Wohlauf in Gottes schöne Welt“. Das sieht sehr positiv mit Schwung nach vorne.
Gibt es das Programm oder Teile davon live zu hören?
Ja klar, am 20. Juli auf dem Sommerfestival Rosen-
heim.Interview: Andreas Friedrich