Poetisch, magisch, bairisch

von Redaktion

„Dreiviertelblut“ reißen mit ihrem Auftritt die Ballhausbesucher von den Sitzen

Rosenheim – „Wannst mitm Deife tanzt, brauchst guade Schuah“: Mit dieser in Form einer bayerischen Tanzpolka dargebotenen Erkenntnis und weiteren Stücken riss „Dreiviertelblut“ die Besucher im gut gefüllten Rosenheimer Ballhaus von den Sitzen. Einprägsame Refrains, Dichtung mit Herz und Biss und ein Schuss Übersinnliches und Sagenhaftes mit starken Instrumentalpassagen ergeben den typischen Sound der Band.

Heimatlich und dabei folklorefrei lautet das Selbstverständnis der Gruppe um Texter und Sänger Sebastian Horn (bekannt auch von den „Bananafishbones“ und als Moderator des „Heimatsound“-Festivals) und Gitarrist Gerd Baumann, der die Musik für viele Rosenmüller-Filme beigesteuert hat. Die Gruppe war in großer Besetzung angereist: Luke Cyrus Götze an verschiedenen Gitarren, Dominic Glöbl und Florian Riedl als Bläsersatz sowie Benjamin Schäfer am Bass und Flurin Mück am Schlagzeug vervollständigten das Bandgebilde zum Septett. Sebastian Horn schilderte skurrile Geschichten vom Landleben wie den „Odlgruamschwimmer“, der er selber war und vom kleinen Nachbarsmädchen aus der Jauchegrube gerettet wurde. Mit eingängiger Melodie kam die „Schwupp Marie“ daher, die „botanische Schönheit vom Lande“, Benny Schäfer wechselte multiinstrumental dazu flexibel zur Tuba. Die Musiker bekennen auch politisch Farbe, beispielsweise im Lied vom unbekannten Soldaten mit der Textzeile „Es hat di koana gfragt“. Ganz stark und mit Riesenapplaus belohnt waren die „13 Minuten“ in Gedenken an den Hitler-Attentäter Georg Elser, denn um lediglich 13 Minuten wurde Hitler bei dem Anschlag verfehlt. Die Umwelt bekam ebenfalls einen Song gewidmet: „Grea is des was übrig bleibt, wann die Sonn aufd Wiesn scheint“ – eine Hymne auf den Kreislauf der Natur. „Mia san ned nur mia“ gab es als musikalische Reaktion auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle, damals beim „WIR-Festival“ trat sogar der Münchner OB Dieter Reiter als Gitarrist mit auf. Dann gelang noch eine besondere Überraschung mit musikalischen Gästen.

Sängerinnen

saßen im Publikum

Bereits beim Nockherberg-Singspiel hatte man mit den „Perlsee-Dirndln“ musiziert. Selbige drei junge Damen waren im Publikum, wurden auf die Bühne gebeten und gaben sich als Background-Dreigesang die Ehre. „Wir haben gerade beschlossen, dass dieses Konzert das längste auf unserer Tournee wird“, so Sebastian Horn gegen Ende des Auftritts, und die Band spielte unter stehenden Ovationen eine ganze Reihe Zugaben, darunter auch den Filmsong aus „Wer früher stirbt, ist länger tot“.

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