Prien –Der später in Prien beheimatete Künstler Max Wendl wurde 1904 in München geboren. Sein Vater war Vergoldermeister und hatte viele der pompösen Bilderrahmen des Malerfürsten Franz von Stuck gestaltet. Sohn Max sollte also zunächst ein künstlerisches Handwerk erlernen und wurde in die Glasmaler-Werkstatt von Trekk geschickt. Nach der zweijährigen Lehre kam Wendl in die Münchner Kunstgewerbeschule des großen Möbelgestalters und Architekten Richard Riemerschmid, mit dem er 1926 nach Köln zu dem wichtigen Vertreter des niederländischen Symbolismus kam.
Riemerschmid und der Münchner Galerist Günter Franke erkannten schon bald die malerische Begabung Wendls, doch bereits bei den ersten Ausstellungen im Jahre 1932 begann sich das nationalsozialistische Bewusstsein einzufärben. Wendl bekam Berufsverbot und die Städtische Galerie im Münchner Lenbachhaus musste sein Bild „Jäger im Boot“ als entartet ausmustern. In den zwei Jahren, die Wendl verblieben, bevor er in den Krieg nach Frankreich eingezogen wurde, konnte er sich mit Entwürfen für Möbelintarsien und Teppiche für die Deutschen Werkstätten in Dresden finanziell über Wasser halten, doch die Malerei blieb dabei völlig auf der Strecke.
Es begannen die schrecklichsten Jahre für Max Wendl an der Front in Frankreich und Belgien und der anschließenden amerikanischen Gefangenschaft. Aus dieser Zeit kann in der aktuellen Ausstellung der Galerie im Alten Rathaus in Prien nichts gezeigt werden, weil die Notizbücher mit drastischen Karikaturen militärischer Rituale zu brüchig sind und auseinanderzufallen drohen.
Zu sehen sind daher nur wenige bitterböse satirische Blätter, doch viele Landschaftsskizzen aus der Kriegszeit.
Nach dem Krieg fand Wendl zu seinen alten Genres zurück, zum erzählenden Figuren- und Gruppenbild, zur Tierfabel und frei erfundener Landschaft. Davon sind in der Ausstellung Bilder mit den verschiedensten Motiven und in allen nur möglichen Techniken zu sehen. Herausragend sind die fantasievollen Hinterglasbilder wie ein „Pferd mit Taube“, „Vögel und Pferd“, „Raubvögel“, „Kinder und Tiger“ oder „Zwei Vögel fangen einen Adler“.
Das wohl Wichtigste in der Ausstellung im Alten Rathaus sind die Glasfenster. Es war ein Glücksfall, dass Max Wendl nach dem Krieg und der Kriegsgefangenschaft wieder an die Ergebnisse seiner Glasmaler-Lehre anknüpfen konnte. Zunächst führte er nur aus, was Kollegen für die überall entstehenden neuen Kirchen an Glasfenstern entworfen hatten. Er setzte aus ungeschliffenen, farbigen Glasbrocken in der Werkstatt abstrakte oder gegenständliche Kirchenfenster zusammen. In der aktuellen Ausstellung verzaubern den Betrachter die Kirchenglasfenster vor Lichtquellen. Es scheint, dass das Licht von außen nach innen transportiert wird. Zu bewundern sind vor allem die Kirchenfenster der Ingolstädter St. Pius-Kirche und der kreisrunde Kuppelbau.
Insgesamt neun Kirchen in Bayern hatte Wendl damals mit Glasfenstern ausgestattet, doch die Ingolstädter St. Pius-Kirche ist wohl die glanzvollste. In seiner Einführung bei der Ausstellungseröffnung fasste der Feuilletonist der Süddeutschen Zeitung, Dr. Gottfried Knapp, das malerische und zeichnerische Werk Wendls so zusammen: Die poetisch-rätselhaften Figuren in den Dreißigerjahren, die Landschaften und Ortsansichten während des Krieges in Belgien und Nordfrankreich und schließlich der Durchbruch als Glasmaler ab dem Jahr 1955.
Dr. Knapp: „An Wendls Biografie und am mäßigen malerischen Erfolg zu Lebzeiten lässt sich eindrucksvoll aufzeigen, wie das politische Geschehen die Lebensumstände dieser von den Weltkriegen geprägten Künstler beeinflusst hatte.“
Wendl war nach seiner Kriegsgefangenschaft nach Hub bei Prien zurückgekehrt und schuf die bedeutenden Kirchenausstattungen der Nachkriegszeit. Von 1970 bis zu seinem Tod 1984 lebte er hier, zurückgezogen und gesundheitlich angeschlagen.