Das Osterfest – Ousdan – klingt sowohl auf Boarisch als auch auf Hochdeutsch nicht nur so wie das Bestimmungswort der Ostern- und Osterorte unserer Region – beispielsweise Ostermünchen als Ousdaminga –, sondern hat wohl auch denselben sprachlichen Hintergrund wie diese Orts- und Flurnamen: die Himmelsrichtung Osten!
Im Gewässernamen Osterbach etwa kann man dessen Benennung nach der Himmelsrichtung gut nachvollziehen. Der Osterbach liegt zwischen dem Jenbach und dem Feilnbach. Der Feilnbach und der Osterbach sind weniger weit voneinander entfernt als der Jenbach und der Osterbach. Feilnbach und Osterbach waren seit jeher in ein und derselben Ortschaft geflossen, während der Eaboch, der nach dem Namen seines Eigentümers Uono benannt ist, durch die Nachbarorte Ober- und Untersteinach strömte. Erst nach der Eingemeindung der Gemeinde Jenbach-Wiechs in den 1970er-Jahren fließt auch der Jenbach durch Bad Feilnbach.
Noch besser erklärbar sind die Namen der Dörfer Osternach und Westernach, die nahe Bernau a. Chiemsee gelegen sind. Ausgangspunkt ist die Ortschaft Bergham. Östlich und westlich hiervon fließen zwei Bäche, früher „Achen“ genannt. Die östliche Ache gab dem seit 1195 als „Osternahe“ bezeugten Osternach den Namen, die westliche dem später erst erwähnten Westernach. Grundlage unserer Oster-Namen ist das Richtungsadverb und Adjektiv „nach Osten, im Osten, östlich von“, das althochdeutsch (750 – 1050) ostar, mittelhochdeutsch (1050 – 1350) oster lautete. Aber Obacht: Osterfing bei Söchtenau leitet sich über Otolfing vom Personennamen Otolf her! Ansonsten liegt sowohl Ostern als auch den Osterorten das indogermanische Wort „haus-os“(„Morgenröte“) zugrunde, das im Lateinischen als „aurora“ erhalten ist. Die Morgenröte und die Himmelsrichtung Osten: Das passt! Aber was hat das Fest der Auferstehung Jesu Christi damit zu tun? Diese wird in der Liturgie zeitlich für die Morgenstunden des Ostersonntags angesetzt. Mit „Ostern“ und englisch „Easter“ wurde nur in Teilen des germanischen Bereichs die Auferstehung Jesu Christi bezeichnet. Kirchenlateinisch dominiert „Pascha“, das mit hebräisch „Pessach“ korreliert. Frohe Ostern – Joyeuses Paques!Armin Höfer