Eindrückliche Klänge voll bitterer Süße, Schmerz und der Hoffnung

von Redaktion

Stabat Mater: Barockkonzert am Aschauer Heiligen Grab

Aschau – Das „Stabat mater“, das Requiem der Muttergottes für ihren gekreuzigten Sohn, vor dem restaurierten Heiligen Grab in der Aschauer Pfarrkirche aufzuführen, ist logische Konsequenz, schildert es doch eindrücklich die Passionsgeschichte aus der Sicht Mariens. Bis heute ergreift einen dieses Gedicht, das Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736) kurz vor seinem Tod in einer fein ausbalancierten Folge von sieben Duetten und fünf Arien vertonte, und das ihr Leiden am Fuß des Kreuzes vermittelt. Mit glasklaren und schnörkellosen Stimmen zogen Sopranistin Katja Stuber und Mezzosopranistin Ulrike Malotta die vielen Zuhörer in ihren Bann. Das Concerto München unter Leitung von Organist Johannes Berger ergänzte auf subtile Weise die Sängerinnen, die Passionsgeschichte und das Leiden der Gottesmutter Maria unterm Kreuz. Man konnte als Zuhörer förmlich die Peitschenhiebe fühlen, mit denen Jesus gefoltert wird und die Maria bitterlich beklagt („vidit Jesum in tormentis, et flagellis subditum.“)

Ganz im Sinne des Barocks aber kam auch galante Empfindsamkeit und überraschende Expressivität auf: trostreich-liebevoll das „Fac ut ardeat cor meum“ (lass mein Herz glühen), zart-schmelzend der Glaube und die Hoffnung auf das Paradies und strahlend das Amen. Dem Hauptwerk des Abends gingen zwei orchestrale Barockkompositionen voraus, in denen die barocken Streichinstrumente des zehnköpfigen Ensembles sowie Johannes Berger an der Truhenorgel schimmerten und menschlichen Stimmen gleich „sangen“. Zart-behutsam, dann wieder fröhlich-himmlische Freuden versprechend wetteiferten die Stimmen beim Orgel-Konzert in g-Moll von Georg Friedrich Händel (1685-1759) HWV 291 quasi miteinander. Die Orgel (mit einem souverän locker und brillant aufspielenden Johannes Berger) verwandelte sich im letzten, tänzerisch anmutenden Gavotte-allegro-Satz in eine Spieluhr, die Sologeige (wunderbar hier Konzertmeister Dmitry Lepekhov) und Cello (fabelhaft hier Anderson Fiorelli) als echoende Partner. Das Cellokonzert in c-Moll RV 401 von Antonio Vivaldi (1678-1741) stand der Händel-Komposition in nichts an Glanz und barocker Lebensfreude nach. Cellist Anderson Fiorello war ein emotional gestaltender Interpret, der auf seine musikalischen Partner hörte und im besten Sinne des Wortes mit ihnen spielte. Das war Barockmusik mit wohlfein moussierenden und dialogisierenden Klängen und prägnanten Themen. Musik, die auch heute noch zur Andacht einlädt.
Elisabeth Kirchner

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