Neubeuern – Die zerzausten Frisuren und blauen, grob karierten Anzüge der vier Musiker passten eigentlich nicht zum stilvollen Ambiente und wirkten einigermaßen gewöhnungsbedürftig. Mit kammermusikalischen Werken von Bach, Schubert und Dvorak aber begeisterte das überragende Apollon Musagète Quartett die Hörer im Schlosssaal von Neubeuern bis zum letzten Takt.
Bereits in Johann Sebastian Bachs Kontrapunkt 1 aus der „Kunst der Fuge“ zeigten Pawel Zalechski und Bartosz Zachlod (Violine), Piotr Szumiel (Viola) und Piotr Skweres (Violoncello) ein fein ausbalanciertes, harmonisches Zusammenspiel. Die ruhige, meditative Klangwirkung der Komposition verfehlte nicht ihre Wirkung, war aber nur der kurze Auftakt zu zwei frühen Streichquartetten von Schubert. Im g-Moll Quartett des erst Vierzehnjährigen – das genaue Jahr der Entstehung des Werkes ist unklar – wechseln auf überraschende Weise die Tonarten. Die langsame Einleitung ging im Presto vivace rasch über in flirrende Nervosität. Lyrisch mit einer einprägsam schlichten Melodik erklang das Menuetto, temperamentvoll mit großer Dynamik interpretierte das Apollon Musagète Quartett das abschließende Presto. Schuberts Quartett in g-Moll D 173 besticht im ersten Satz durch eine farbige und abwechslungsreiche Thematik. Berührend waren der melancholische Gesang der Violine und die zahlreichen Tremoloeffekte. Die vier Musiker spielten den Satz mit solchem Feuer, solcher Leidenschaft, dass man nur gebannt zuhören konnte. Das freundliche Andantino mit seinem schlichten Liedthema, das lebhafte Menuett und das spritzige, überaus virtuose Allegro begeisterten das Publikum. Da stimmte jeder Einsatz, da entwickelte das Quartett im Finale eine mitreißende und faszinierende Dynamik.
Das Streichquartett in As-Dur op. 10h von Dvorak besitzt einen freundlichen Charakter. Die Musiker begannen den langsamen Satz zart und empfindsam, spielten das folgende rhythmisch melodische Allegro appassionato hingegen energisch und ausdrucksstark. Zu Herzen ging die elegische Melodie mit Vogelgezwitscher und sanften Pizzicato-Bässen im Lento e molto cantabile. Effektvoll steigerte sich das Finale im Polka-Rhythmus zu einem rauschhaften Tanzwirbel. Für den brillanten Konzertabend bedankte sich das Publikum bei den Interpreten mit Bravo-Rufen und langem Applaus. Als Zugabe spielte das Apollon Musagète Quartett noch ein kurzes, klangschönes Schubert Menuett. Georg Füchtner