Rosenheim – Wenn Feiertage und Starmusiker aufeinandertreffen, wird es im kleinen „Le Pirate“ schon mal besonders eng und dicht gedrängt. So geschehen beim Konzert der Jazz-Legende Don Menza und seinem fabelhaften Quartett – Zusammenrücken war angesagt. Don Menza steht quasi als lebende Jazz-Geschichte auf der Bühne, er spielte in den Sechzigern mit Stan Kenton, Max Greger und Buddy Rich, nahm mit Leonard Cohen Platten auf und arbeitete mit allen namhaften deutschen Radio-Big-Bands.
Seine musikalischen Mitstreiter weisen ebenfalls eine beachtliche Vita auf: Pianist Oliver Kent begleitete ebenso wie Bassist Hans Strasser Benny Golson und unterrichtet in Wien. Am Schlagzeug saß wenige Wochen nach dem Konzert mit dem „Blue-Note-Quintett“ einmal mehr Bernd Reiter, der die Tour organisiert hatte.
Einige launige Sprüche garnierten den Auftritt, und zu Beginn wies Pächter Wolfgang Lentner Menza darauf hin, dass er vor seinem eigenen, an der Wand dekorierten Konzertbild spiele. Mit einem „I can‘t read music anyhow – ich kann sowieso keine Noten lesen“, kommentierte Menza seinen Kampf mit einem widerborstigen Notenblatt und startete das Konzert mit Sonny Rollins Komosition „No more“. Zunächst melodisch und sanft, dann gehörig steigernd gewann das Stück an Fahrt. Typisch für viele Auftaktstücke ging es reihum mit den Soli der Akteure. Das leichte, elegante Piano Kents erhielt ebenso Szenenapplaus wie Strassers Bass und Bernd Reiter am Schlagzeug. Mächtig stieg Menza wieder ein und es entwickelte sich eine spannende Improvisationsphase mit überraschenden Einlassungen und Dialogen zwischen Schlagzeug und Saxoofon.
„Sunday afternoon with Sonny“ war ebenfalls Rollins gewidmet, den die Band in dessen Wohnort, dem legendären Woodstock getroffen hatte. Mit weichem Duktus und wunderbar melodischem Piano breitete sich nostalgisches Gefühl im Club aus.
Noch wehmütiger wurde es mit der oft gespielten Ballade „You don‘ t know what love is“ – jetzt gaben sich Menza mit seinem unerhört gefühlvollen Saxofonsound und Oliver Kent am Piano die Hand und traten in eine Wechselbeziehung.
Ein ganz besonderes Schmankerl präsentierte das Quartett zum Abschluss des ersten Sets: Menza hatte 27 Jahre mit Henry Mancini gespielt, dem Komponisten des „Rosaroten Panthers“ und weiterer Filmmusiken. Auch die Titelmelodie von „Charade“, verfilmt mit Audrey Hepburn und Cary Grant stammt von ihm. Gespielt im Up-Tempo von diesem hochkarätigen Quartett war dies eine echte Schau, mit irrwitziger Rasanz und einem jetzt entfesselt aufspielenden Reiter am Schlagzeug, furiosen Saxofon-Einlassungen Don Menzas und abgerundet mit fliegenden Pianotasten und Bass-Saiten. Das war kreativer Jazz in Vollendung und ein Begeisterungssturm die Folge.