Eine Soiree voller Empfindsamkeit

von Redaktion

Mozartwoche Das Barockensemble Concert Royal im Kloster Seeon

Seeon – Karla Schröter (Barockoboe) und Andreas Boos (Truhenorgel) haben sich als Ensemble Concert Royal der musikalischen Stilrichtung der Empfindsamkeit, die in den 1720er und 1730er Jahren die Barockmusik ablöste, verschrieben. In einer musikalisch-kulinarischen Soiree, die im Rahmen der Mozartwoche im Tagungsrestaurant des Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon guten Zulauf fand, kamen Werke von Johann Wilhelm Hertel, Gottfried August Homilius, Joseph Haydn und Mozart zur Aufführung. Besonders die Instrumentierung mit Barockoboe und Truhenorgel versprach Hörgenüsse jenseits des alltäglichen Konzertangebots.

Mozart und seine musikalischen Mitstreiter suchten und fanden einen „neuen, gefühlsbetonten“ Ausdruck, der ganz bewusst Emotionen wecken sollte. Die Zuhörer der Mozartwoche schienen genau dies zu genießen, sich allzu gerne von virtuoser Musik zur Emotion hinreißen zu lassen.

Schon der Anblick der beiden Instrumente ließ die Gäste neugierig die Hälse recken: Die Barockoboe sieht aus wie ein gedrechseltes barockes Stuhlbein, ist aus Buchsbaumholz, hat 23 Löcher, zwei Klappen und ein aufsteckbares Mundstück. Entwickelt wurde sie im Musikerumfeld des französischen Hofes Ludwig XIV. Ihr Klang ist ausdrucksstark und pendelt zwischen durchdringend nasal-hell bis dunkel samtig-weich.

Die Truhenorgel mit kunstvoll handgeschnitzter Ornamentik ist eine kleine, leicht transportierbare einmanualige Orgel mit wenigen Registern ohne Pedal – sie macht nicht nur optisch etwas her, sondern wirkt in der Art, wie Andreas Boos sie spielt, ein wenig wie ein musikalischer Wunderkasten. Sie ist mit einer Transponiervorrichtung ausgestattet, die es ermöglicht von 440 Hertz auf 415 Hertz herab und bis auf 465 Hertz hinauf zu transponieren – da geht einfach alles.

Nur sehr wenige Komponisten haben für diese Konstellation überhaupt komponiert, sodass sich der Abend in jeder Hinsicht als Musikereignis jenseits des „Gewohnten“ entpuppte: Drei Werke für Oboe und obligate Orgel von Hertel – das Trio in C-Dur, die Partita F-Dur und das Trio d-Moll – holten mit großen Gesten, ausdruckstarken Themen und Melodien den Flair und Charme jener Zeit des Auf- und Umbruchs nach Seeon. Ebenso begeisterte Reaktionen wurden zwei Werken von Homilius – ein geistliches Werk, das Choralvorspiel für Oboe und Orgel „O Gott, du frommer Gott“ und die viersätzige Sonate HoWV XI. 1 für Oboe und Basso Continuo – entgegengebracht. Neckisch-spielerisch und fast komödiantisch in locker-lässiger Interpretation an der Truhenorgel kamen Haydns „Drei Stücke für die Flötenuhr“ zu Gehör und brachten neben viel Gefühl auch eine komische Note ins Konzert ein.

Nicht zuletzt konnten auch Mozarts Kompositionen mächtig punkten – viel geliebt und oft gehört: Das Adagio C-Dur KV 617a für Orgel und die Andante F-Dur KV 616 für Orgel waren sicherlich einer von vielen Höhepunkten in einer Soiree voller Empfindsamkeit.

Artikel 2 von 11